k. k. Kunsthistorisches Hofmuseum
Kunsthistorisches Hofmuseum, um 1900
© Wien Museum
Die »Künstler-Compagnie« wurde 1890 mit der Fertigstellung der Dekoration im Stiegenhaus des k. k. Kunsthistorischen Museums beauftragt. Der Zyklus, bestehend aus Zwickel- und Interkolumnienbildern, allegorisiert die bedeutendsten Stilepochen der Kunst. Die Ausstattung bildet den Höhepunkt von Klimts Werk zwischen Historismus und einsetzendem Jugendstil.
Als die »Künstler-Compagnie« am 28. Februar 1890 den Vertrag zur Ausführung der Zwickel- und Interkolumnienbilder im Stiegenhaus des k. k. Kunsthistorischen Hofmuseums (heute: Kunsthistorisches Museum) unterschrieb, war die Ausstattung – bis auf die Lünettenbilder von Hans Makart aus dem Jahr 1881 – unvollendet. Für ein Honorar von 14.000 Gulden (ca. 190.352 Euro) sollten die verheißungsvollen Maler 40 Darstellungen der wichtigsten Kunstepochen von der ägyptischen und griechischen Antike bis zum Barock ausführen. Die Platzierung der Bilder in den Zwickeln über den Arkadenbögen sowie den Flächen zwischen den Säulen (Interkolumnien) schränkte Gustav Klimt kompositionell stark ein. Er begegnete der Aufgabe mittels streng frontal oder im Profil gegebenen Personifikationen und Stillleben mit Artefakten der Kultur- und Kunstgeschichte.
Akkord-Protokoll vom 28. Februar 1890
Gustav Klimt übernahm die Gestaltung der gesamten Nordwand und des ersten Arkadenbogens an der anschließenden Westwand. Er erfand Allegorien für die griechische und ägyptische Antike sowie die italienische Renaissance. Letztere war nach Schulen aufgeteilt (in römisch, venezianisch, florentinisch) und stellte sowohl das 15. als auch das frühe 16. Jahrhundert vor. Für Das Florentinische Cinquecento (Haupt des Goliath) orientierte sich Klimt entfernt an Michelangelos berühmtem David (1501–1504, Galleria dell‘ Academia, Florenz), für seine Venus an Darstellungen der Liebesgöttin von Sandro Botticelli. An der Nordwand zeigen die Allegorien der römischen und venezianischen Renaissance Attribute der Ecclesia (Papstkirche) und des Dogen. Die eindrucksvollsten Allegorien positionierte Klimt im Zentrum der Wand: die griechische und ägyptische Antike, repräsentiert durch die Gottheiten Pallas Athene und Nechbet. Den Abschluss bildet die Frührenaissance mit Gelehrter in Renaissancetracht und Heilige mit Cherubim. In diesen Figuren verarbeitete Klimt interessanterweise Gemälde aus dem Bestand der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste und nicht aus der kaiserlichen Sammlung (heute: Kunsthistorisches Museum, Wien).
Übertragungsskizzen für die Zwickel- und Interkolumnienbilder von Gustav Klimt
Nordwand im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums, Wien
© KHM-Museumsverband
Zwickel- und Interkolumnienbilder von Gustav Klimt im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums
Albert Ilg: Zwickelbilder im Stiegenhaus des k. k. Kunsthistorischen Hof-Museums zu Wien, Wien 1893.
© Klimt-Foundation, Wien
Innerhalb kürzester Zeit gelang es Gustav Klimt, überzeugende Kompositionen zu den wichtigsten Kunstepochen aus Abbildungen in verschiedenen Büchern zusammenzustellen. Obschon es möglich gewesen wäre, Meisterwerke der kaiserlichen Sammlungen als Bildquellen zu verwenden, verzichtete der Künstler darauf. Ob es sich hierbei um einen Wunsch der Kustoden handelte, ist nicht überliefert. Albert Ilg, Direktor der Waffensammlung und der Kunstkammer, begleitete das Projekt mit einer eignen Publikation, ohne auf diese Frage einzugehen.
Ikonografisch fügen sich die Allegorien nahtlos in Klimts Werk ein, vor allem weisen sie Ähnlichkeiten mit seinen Entwürfen für die Huldigungsadresse für Erzherzog Rainer (1889, Albertina, Wien) aber auch der Skulptur (1896, Wien Museum) für Martin Gerlachs Allegorien. Neue Folge (1895/96) auf. Auch in Hinblick auf die Stilentwicklung von Gustav Klimt nimmt die Darstellung der Nechbet eine Position zwischen den beiden genannten Frauenakten ein. Mit der aus der griechischen Vasenmalerei abgeleiteten Flächigkeit und Linearität sollte sich der Wiener Maler in den folgenden Jahrzehnten noch intensiv auseinandersetzen: In der sogenannten Goldenen Periode strebte Klimt danach, die Volumina der Figuren zurückzudrängen und die schöne Linie zu betonen.
Klimt bewegte sich damit in der Riege der anerkannten Kunstschaffenden des Landes. Damit eröffnete sich für Gustav Klimt ein wichtiges Netzwerk an kunstbegeisterten Mäzenen und Sammlern wie Nicolaus Dumba.
Literatur und Quellen
- Albert Ilg: Zwickelbilder im Stiegenhaus des k. k. Kunsthistorischen Hof-Museums zu Wien, Wien 1893.
- Tobias G. Natter (Hg.): Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Wien 2012.
- Sabine Haag (Hg.): Gustav Klimt im Kunsthistorischen Museum, Ausst.-Kat., Kunsthistorisches Museum (Wien), 14.02.2012–06.05.2012, Wien 2012.
- Beatrix Kriller: Gustav Klimt im Kunsthistorischen Museum. Die Entstehung der Zwickel- und Interkolumnienbilder im großen Stiegenhaus, 1890–1891, in: Toni Stoos, Christoph Doswald (Hg.): Gustav Klimt, Ausst.-Kat., Kunsthaus Zürich (Zürich), 11.09.1992–13.12.1992, Stuttgart 1992, S. 216-229.
- Ernst Czerny: Gustav Klimt und die ägyptische Kunst. Die Stiegenhausbilder im Kunsthistorischen Museum in Wien und ihre Vorlagen, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 2009, Heft 3/4 (2009).