Im Fokus von Klimt-Werk stehen sämtliche Aspekte des Œuvres des Jugendstilmeisters. Visualisiert durch eine Timeline, werden hier Klimts Schaffensperioden aufgerollt, beginnend von seiner Ausbildung, über seine Zusammenarbeit mit Franz Matsch und seinem Bruder Ernst in der »Künstler-Compagnie«, die Affäre um die Fakultätsbilder bis hin zu seinem Nachruhm und Mythos, der diesen Ausnahmekünstler noch heute umgibt.

1883 – 1888

Thea­ter­ma­ler in den Kron­län­dern und Wien

In rasanter Geschwindigkeit führte Gustav Klimt mit seinen Kollegen Dekorationen für Theaterbauten von Fellner & Helmer in den Kronländern aus. Nach dem Tod von Hans Makart 1884 zählte die »Künstler-Compagnie« zu den führenden Malern ihrer Generation und erhielt erstmals einen Auftrag für die dekorative Ausstattung eines öffentlichen Gebäudes an der Wiener Ringstraße.

8 Kapitel


k. k. Hofburgtheater, um 1885
© Klimt-Foundation, Wien

Stadt­thea­ter Rei­chen­berg

1882/83 führte die »Künstler-Compagnie« ihren ersten selbstständigen Großauftrag aus: Fünf Deckenbilder und den Vorhang für das neu errichtete Stadttheater in Reichenberg. Den Auftrag erhielten Franz Matsch und die Gebrüder Klimt durch Vermittlung des ausführenden Architektenbüros Fellner & Helmer.

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Stadttheater Reichenberg, in: Neue Illustrierte Zeitung, 04.06.1882.
© Klimt-Foundation, Wien

Schloss Pelesch

Von 1883 bis 1886 arbeitete die »Künstler-Compagnie« an der Ausstattung für das rumänische Schloss Pelesch. Der vielseitige und durchaus herausfordernde Großauftrag umfasste unter anderem die Erstellung von zehn Ahnenporträts und Kopien nach alten Meistern aus der kaiserlichen Kunstsammlung sowie die Dekoration des kleinen Schlosstheaters.

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Schloss Pelesch, um 1900
© Klimt-Foundation, Wien

Stadt­thea­ter Fiume

Mitte der 1880er Jahren wurde die »Künstler-Compagnie« für die dekorative Ausstattung des Stadttheaters Fiume – einen weiteren Theaterbau von Fellner & Helmer – herangezogen. Der Auftrag umfasste sechs Deckengemälde sowie ein Proszeniumbild und zwei kleinere Gemälde für den Zuschauerraum.

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Stadttheater Fiume, in: Erzherzog Rudolf (Hg.): Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band 12, Wien 1893.
© Klimt-Foundation, Wien

Her­mes­vil­la

Die »Künstler-Compagnie« gestaltete die Hohlkehle des Schlafzimmers der Kaiserin Elisabeth in der Hermesvilla mit Szenen aus William Shakespeares Sommernachtstraum sowie ein Deckenbild im Salon. Zum Teil arbeiteten sie nach Vorlagen ihres ehemaligen Lehrers Julius Victor Berger sowie nach einem eigenen Entwurf.

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Hermesvilla im Lainzer Tiergarten, eine Radierung nach einer Fotografie von Josef Löwy
© Klimt-Foundation, Wien

Stadt­thea­ter Karlsbad

Für das im Jahr 1886 eröffnete Stadttheater in Karlsbad gestalteten Franz Matsch und die Brüder Klimt wieder in bewährter Zusammenarbeit vier Deckenbilder, ein Proszeniumsbild und einen Hauptvorhang, der auch kurzzeitig im k. k. Museum für Kunst und Industrie der Öffentlichkeit in Wien präsentierte wurde.

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Stadttheater Karlsbad
© Klimt-Foundation, Wien

k. k. Hof­burg­thea­ter

Zwischen 1886 und 1888 stattete die »Künstler-Compagnie« die beiden repräsentativen Treppenhäuser des neu errichteten k. k. Hofburgtheaters mit malerischen Szenen aus der Theatergeschichte aus. Es handelte sich dabei um ihren ersten eigenständigen Großauftrag in der Residenzstadt Wien.

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k. k. Hofburgtheater, in: V. A. Heck Verlag (Hg.): Das k. k. Hofburgtheater in Wien. erbaut von Carl Freiherrn von Hasenauer, Wien 1890.
© Klimt-Foundation, Wien

Al­le­go­ri­en und Embleme

Ab 1881 arbeitete Gustav Klimt im Auftrag von Martin Gerlach am Vorlagenwerk Allegorien und Embleme. Er fertigte für das Druckwerk Entwürfe diverser Allegorien sowohl im Medium der Zeichnung als auch der Ölmalerei an.

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Titelseite, in: Martin Gerlach (Hg.): Allegorien und Embleme. Originalentwürfe von den hervorragendsten modernen Künstlern, sowie Nachbildungen alter Zunftzeichen und modernen Entwürfen von Zunftwappen im Charakter der Renaissance. Abtheilung I. Allegorien, Wien 1882/84.
© Klimt-Foundation, Wien

Zeich­nun­gen und Aqua­rel­le

Das Gros der Zeichnungen im Frühwerk von Gustav Klimt entstand als Skizzen und Studien zu Dekorationsaufträgen. Nur wenige Arbeiten auf Papier werden als autonomes Kunstwerk aufgefasst, darunter auch die Gouache Zuschauerraum im Alten Burgtheater, die Klimt im Auftrag der Stadt Wien anfertigte.

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Gustav Klimt: Zuschauerraum im Alten Burgtheater, 1888, Wien Museum
© Wien Museum

Theatermaler in den Kronländern und Wien

Stadttheater Reichenberg

Stadttheater Reichenberg, in: Neue Illustrierte Zeitung, 04.06.1882.
© Klimt-Foundation, Wien

Stadttheater Reichenberg (Aufriss)
© Architekturmuseum (TU Berlin)

Gustav Klimt, Ernst Klimt, Franz Matsch sen.: Entwurf für den Hauptvorhang des Stadttheaters Reichenberg, 1882, Verein der Freunde der Österreichischen Galerie Belvedere, Leihgabe im Belvedere, Wien
© Belvedere, Wien

1882/83 führte die »Künstler-Compagnie« ihren ersten selbstständigen Großauftrag aus: Fünf Deckenbilder und den Vorhang für das neu errichtete Stadttheater in Reichenberg. Den Auftrag erhielten Franz Matsch und die Gebrüder Klimt durch Vermittlung des ausführenden Architektenbüros Fellner & Helmer.

Im Juni 1881 schloss die Stadt Reichenberg mit den beiden bekannten Wiener Architekten Ferdinand Fellner jr. und Hermann Helmer einen Vertrag zur Errichtung eines neuen Stadttheaters (heute: F. X. Šalda-Theater, Liberec), das bereits im Herbst 1883 eröffnen sollte. Laut Der Presse vom 23. Juni 1881 mussten Fellner & Helmer die Detailpläne und den Kostenüberschlag bis Ende August vorlegen, da die Stadt den Baustart für Herbst anvisierte. Diversen Medienberichten zufolge wurden die geforderten Unterlagen Anfang September der Kommune vorgelegt. Zudem präsentierten Fellner & Helmer persönlich die Pläne für das Theater, das von ihnen als freistehendes Gebäude konzipiert wurde, dem Stadtverordneten-Collegium vor Ort. Die Wiener Allgemeine Zeitung vermeldete am 8. September 1881 zu diesem Anlass, dass »die Stadtverordneten beschlossen, den Bau des neuen Theaters mit Zugrundelegung der von den Architekten vorgelegten allseitig gelobten Pläne auszuschreiben, […].« Für das mehrjährige Bauprojekt wurden Ausgaben in Höhe von 230.000 Gulden (ca. 3.234.000 Euro) einkalkuliert; zum Schluss sollten sich diese aber insgesamt auf mehr als 300.000 Gulden (ca. 4.219.000 Euro) belaufen.

Noch 1881 begann die bauliche Realisierung durch die engagierten Reichenberger Baumeister Sachers und Gärtner, die zusammen mit dem Wiener Architektenbüro die Errichtung bis 1883 planmäßig und ohne gröbere Verzögerungen abschlossen. Die feierliche Eröffnung des Hauses, der laut dem Prager Tagblatt auch Fellner & Helmer beiwohnten, die »vom Publicum [!] in schmeichelhafter Weise ausgezeichnet […]« wurden, fand am 29. September 1883 statt.

Beauftragung der »Künstler-Compagnie«
Im Herbst 1882 erhielten Franz Matsch und Gustav Klimt - vermutlich auf Empfehlung von Fellner & Helmer - aus Reichenberg eine Anfrage zur Erstellung einer Skizze für den Hauptbühnenvorhang im Stadttheater. In dem überlieferten Antwortschreiben der beiden jungen Künstler – verfasst auf einem Briefpapier des Architektenbüros Fellner & Helmer und datiert mit 10. Oktober 1882 – bestätigten sie die Anfrage und verpflichteten sich bis Anfang Dezember einen Entwurf zu übermitteln. Die Kosten im Falle einer Realisierung veranschlagten sie zunächst mit 1.500 Gulden (ca. 21.260 Euro) später mit 1.800 Gulden.

Die Skizze sendeten sie, laut dem im Staatlichen Kreisarchiv Liberec (SOkA Liberec) verwahrten Schriftverkehr, fast fristgerecht im Dezember 1882 an das Theaterbaucomiteé mit einem Begleitschreiben, das eine detaillierte Programmbeschreibung beinhaltete:

»Vor allem sind die Offerenten der Ansicht, dass für das Stadttheater einer Provinz, wo das Theaterrepertoire so verschiedenartig ist, das Motiv des Hauptvorhanges sozusagen ein allgemeines sein muss; jedoch das ›Heitere‹ und ›Ernste‹ allegorisiert. […] Wir wählten daher als Motiv des Mittelbildes den Triumph der Liebe (Hochzeit) als dominierend heitere Seite, während die Figuren im Vordergrund die ernste Kunst symbolisieren sollen […].«

Galerie

Brief von Franz Matsch in Wien an das Theaterbaucomité in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt

  • Franz Matsch sen.: Brief von Franz Matsch in Wien an das Theaterbaucomité in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt, 09.12.1882, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
    © SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
  • Franz Matsch sen.: Brief von Franz Matsch in Wien an das Theaterbaucomité in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt, 09.12.1882, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
    © SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
  • Franz Matsch sen.: Brief von Franz Matsch in Wien an das Theaterbaucomité in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt, 09.12.1882, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
    © SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
  • Franz Matsch sen.: Brief von Franz Matsch in Wien an das Theaterbaucomité in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt, 09.12.1882, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)
    © SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML)

Franz Matsch sen.: Hermine und Klara Klimt, um 1882
© Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

Im Jänner 1883 beschloss das zuständige Komitee hiernach den Wiener Künstlern den Auftrag zur Ausführung ihres Theatervorhangskizze, die als »sehr schön und künstlerisch gehalten« erachtet wurde, zu erteilen. Die Lieferung des ausgeführten Vorhanges Allegorie der heiteren und ernsten Kunst (1882/83) wurde zu diesem Zeitpunkt für den 15. Juli 1883 angesetzt.

Dass am Theatervorhang Franz Matsch als auch Gustav und Ernst Klimt gemeinsam arbeiteten, ist aus der im Mittelbild angebrachten Signatur zu schließen. Die Unterscheidung, welche Partie von wem konkret gemalt wurde, hat sich an diesem Werk bislang aber als schwierig erwiesen. Aufgrund einer Skizze wird vermutet, dass Gustav Klimt die stehende männliche Figur in der Mitte des Hochzeitsschiffes malte. Auch die Figurengruppe am Heck des Schiffes wird dem älteren Klimt-Bruder zugewiesen. Daneben sind zwei weibliche Figuren am ehesten Franz Matsch zuzuschreiben. Diese sind Teil der Hochzeitsgesellschaft und erinnern in ihrer Gestaltung an ein von Matsch angefertigtes Porträt der Schwestern Hermine und Klara Klimt (um 1882, Privatbesitz).

Gustav Klimt, Ernst Klimt, Franz Matsch sen.: Allegorie der heiteren und ernsten Kunst, 1882/83, F. X. Šalda-Theater
© Divadlo F. X. Šaldy, Foto: M. Bejbl

Galerie

Künstlerische Ausstattung in Reichenberg

  • Gustav Klimt: Das Lautenspiel, 1882/83, F. X. Šalda-Theater
    © Divadlo F. X. Šaldy
  • Franz Matsch sen.: Rezitation | 1882/83, undatiert, F. X. Šalda-Theater
    © Divadlo F. X. Šaldy
  • Franz Matsch sen.: Junge Frau mit spielenden Kindern | 1882/83, undatiert, F. X. Šalda-Theater
    © Divadlo F. X. Šaldy
  • Gustav Klimt: Familie mit trommelndem Kind, 1882/83, F. X. Šalda-Theater
    © Divadlo F. X. Šaldy
  • Ernst Klimt: Allegorie der Künste | 1882/83, undatiert, F. X. Šalda-Theater
    © Divadlo F. X. Šaldy

Deckenensemble im Stadttheater Reichenberg
© Divadlo F. X. Šaldy

Deckenbilder
Neben dem Theatervorhang erstellten die drei Künstler vier große Deckenbilder sowie ein Proszeniumsbild für den Zuschauerraum. Letzteres führte Ernst Klimt aus, während Gustav Klimt und Franz Matsch jeweils zwei Werke für den Plafond schufen. Aufgrund der marginalen Quellenlage sind die genauen Umstände zur Auftragserteilung dieser fünf Arbeiten für Reichenberg bislang nicht vollständig geklärt. In einem Bericht aus den Mittheilungen des k. k. Oesterreichischen Museums vom 1. Februar 1883 heißt es beispielsweise nur, dass der Stadtrat von Reichenberg die von den Wiener Malern Franz Matsch und den Gebrüdern Gustav und Ernst Klimt entworfenen Skizzen für den Vorhang und fünf Deckenbildern für das neugebaute Stadttheater genehmigt hat. Bei den Werken könnte es sich aber möglicherweise auch um einen Direktauftrag durch Fellner & Helmer gehandelt haben.

Präsentation im k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie
Sowohl die fünf Deckenbilder als auch der Hauptbühnenvorhang für Reichenberg wurden nach ihrer Fertigstellung im k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute: MAK, Wien) für einige Tage der Öffentlichkeit präsentiert. Dies erfolgte unter anderem auf Anregung von Museumsdirektor Rudolf Eitelberger. Laut den Mittheilungen des k. k. Oesterreichischen Museums fanden die beiden Ausstellungen von 16. bis 19. März 1883 sowie von 1. bis 2. September 1883 statt. Die sehr kurze Präsentationsdauer selbst ergab sich durch die Lieferverpflichtungen der »Künstler-Compagnie«.

Literatur und Quellen

  • Hana Seifertová-Korecká: Ein Frühwerk von Gustav Klimt – Der Theatervorhang in Reichenberg (Liberec), in: Alte und moderne Kunst. Österreichische Zeitschrift für Kunst, Kunsthandwerk und Wohnkultur, 12. Jg., Heft 94 (1967), S. 23-28.
  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 18. Jg., Heft 209 (1883), S. 335.
  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 19. Jg., Heft 220 (1884), S. 14-15.
  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 18. Jg., Heft 217 (1883), S. 526.
  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 18. Jg., Heft 211 (1883), S. 378.
  • Die Presse, 23.06.1881, S. 11.
  • Neue Illustrierte Zeitung, 04.06.1882, S. 570.
  • Der Bautechniker. Centralorgan für das österreichische Bauwesen, 1. Jg., Nummer 36 (1881), S. 291.
  • Wiener Allgemeine Zeitung, 08.09.1881, S. 5.
  • Mittheilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. Beilage zur Zeitschrift für Bildende Kunst, 35. Jg. (1912), S. 51.
  • Herbert Giese: Franz von Matsch – Leben und Werk. 1861–1942. Dissertation, Wien 1976, S. 42-47.
  • Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.): Franz von Matsch. Ein Wiener Maler der Jahrhundertwende, Ausst.-Kat., Museen der Stadt Wien (Wien), 12.11.1981–31.01.1982, Wien 1981, S. 45-48.
  • Wiener Allgemeine Zeitung, 08.11.1881, S. 3.
  • Neue Freie Presse, 01.10.1883, S. 1.
  • Teplitz-Schönauer Anzeiger, 03.10.1883, S. 5.
  • Prager Tagblatt, 30.09.1883, S. 4.
  • Brief von Franz Matsch in Wien an das Theaterbaucomité in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt (09.12.1882). VI. – Gd, 202, Signatur 709/4, Karton 188_2, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML).
  • Brief von Franz Matsch in Wien an Carl Finke in Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt (10.10.1882). VI. – Gd, 202, Signatur 709/4, Karton 188_1, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML).
  • Brief von Franz Matsch in Wien an den Magistrat der Stadt Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav Klimt (19.01.1883). VI. – Gd, 202, Signatur 709/4, Karton 188_9, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML).
  • Brief von Franz Matsch in Wien an den Magistrat der Stadt Reichenberg, mitunterschrieben von Gustav und Ernst Klimt (vor dem 14.08.1883). VI. – Gd, 202, Signatur 709/4, Karton 188_6, SOkA Liberec, Archiv města Liberec (AML).
  • N. N.: Atelier Klimt und Matsch, in: Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 20. Jg., Heft 232 (1885), S. 308.

Schloss Pelesch

Schloss Pelesch, um 1900
© Klimt-Foundation, Wien

Bau von Schloss Pelesch, in: Jacob von Falke: Das rumänische Königsschloss Pelesch, Wien 1893.
© Klimt-Foundation, Wien

Vorderseite einer Medaille, erstellt von Wilhelm Kullrich anlässlich der Fertigstellung von Schloss Pelesch, 1883, in: Jacob von Falke: Das rumänische Königsschloss Pelesch, Wien 1893.
© Klimt-Foundation, Wien

Von 1883 bis 1886 arbeitete die »Künstler-Compagnie« an der Ausstattung für das rumänische Schloss Pelesch. Der vielseitige und durchaus herausfordernde Großauftrag umfasste unter anderem die Erstellung von zehn Ahnenporträts und Kopien nach alten Meistern aus der kaiserlichen Kunstsammlung sowie die Dekoration des kleinen Schlosstheaters.

König Carol I. von Rumänien ließ sich ab 1873 nahe der Kleinstadt Sinaia eine Sommerresidenz errichten. Die ersten Pläne für Schloss Pelesch (rum. Peleș) stammten vom Wiener Architekten Wilhelm von Doderer. Dessen Assistent Johannes Schulz und der deutsche Innenarchitekt und Bildhauer Martin Stöhr übernahmen später die finale Planung und Bauleitung. Die Arbeiten am Schloss nahmen – unter anderem aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen – insgesamt ein Jahrzehnt in Anspruch, wobei einige Zeit später noch bautechnische Adaptionen in einer zweiten Bauphase erfolgen sollten.

Die feierliche Einweihung des im deutschen Neorenaissancestils entworfene Königschloss fand schließlich am 7. Oktober 1883 statt. Die Wiener Allgemeine Zeitung berichtete zu diesem Anlass einige Tage später:

»In einer romantischen Gegend des Karpathengebirges hat König Carol I. von Rumänien ein wundervolles Lustschloß erbaut, welchem er den Namen ›Pelesch‹ beilegte. […] Nach der kirchlichen Ceremonie wurde vom General Creteanu die Bau=Urkunde verlesen, welche von dem König und der Königin, dann von sämmtlichen [!] Gästen unterzeichnet wurde. Hierauf öffnete der König die Thür des Schlosses, und machte in Begleitung der Königin und sämmtlicher [!] Gäste einen Rundgang durch die Räumlichkeiten desselben.«

Die Inneneinrichtung und künstlerische Ausstattung galten zu diesem Zeitpunkt bereits größtenteils als vollendet. Die Arbeit der »Künstler-Compagnie« für Schloss Pelesch sollte sich aber noch darüber hinaus bis in das Jahr 1886 erstrecken.

Nibelungen-Sgraffiti
Wer die »Künstler-Compagnie« seinerzeit den Bauherren empfohlen hat, ist bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht geklärt. Am wahrscheinlichsten kam ein Kontakt über die in Wien ansässige Firma von Joseph Kott zustande, die unter anderem mit der Ausschmückung des Schlosses beauftragt wurde. Als Kotts Subunternehmer schufen die drei jungen Künstler – laut einer Aussage von Franz Matsch waren es insgesamt neun – Kartons für Sgraffiti im Innenhof, der mit Nibelungendarstellungen ausgestattet wurde. Da jener Innenhof um 1900 überdacht und später umgebaut wurde, sind die Sgraffiti heute verloren.

Kopien nach alten Meistern
Für Sinaia fertigte die »Künstler-Compagnie« auch Kopien einiger ausgewählter Werke aus der kaiserlichen Kunstsammlung in Wien an. Ernst Klimt und Franz Matsch führten fünf detailgetreue Kopien nach Rembrandt, Velásquez und van Dyck aus. Gustav Klimt hatte Tizians Idealporträt von Isabella d’Este von Tizian (um 1534/1536, Kunsthistorisches Museum, Wien) zu reproduzieren, dessen stoffliche Qualität er meisterhaft imitierte. Im April und Juni 1885 trug er sich zu diesem Zweck im Copistenbuch des k. k. Kunsthistorischen Hofmuseums (heute: Kunsthistorisches Museum, Wien) ein.

Gustav Klimt: Porträt Isabella d´Este, 1885, Muzeul Național Peleș
© Muzeul Național Peleș

Einblick in die Zeremonienhalle von Schloss Pelesch, um 1924, in: Mihai Haret: Castelul Peleş, Bukarest 1924.
© Klimt-Foundation, Wien

Ahnengalerie
Gustav Klimt und Franz Matsch hatten darüber hinaus jeweils fünf lebensgroße Repräsentationsporträts für die große Zeremonienhalle und das dazugehörige Stiegenhaus der Sommerresidenz zu gestalten, die zum Teil in reich dekorierte Holzvertäfelungen eingelassen wurden. Das von Ernst Klimt gemalte Deckenbild Wissenschaft und Kunst (um 1883–1885) komplettierte das Gemäldeensemble in diesen Räumlichkeiten.

Die hochformatigen Gemälde sollten Ahnen des rumänischen Königs darstellen – allesamt Familienmitglieder der Zollern und Hohenzollern-Hechingen. Franz Matsch erinnerte sich in seiner Autobiografie, dass sie für diese Arbeiten als Vorlage ein Buch aus dem 16. Jahrhundert vom Monarchen übersandt bekommen hätten. Da aber zumindest zwei durch Gustav Klimt Dargestellte im 17. Jahrhundert lebten, kann dieses Buch nicht die einzige Quelle gewesen sein.

Für die zehn Werke fertigten Gustav Klimt und Franz Matsch vorab auch kleinformatige Farbentwürfe an, die heute vom historischen Museum in Bukarest verwahrt werden. In diesem Zusammenhang sind vor allem zwei Fotografien aus der sogenannten »Klimt-Chronik« (Klimt-Foundation, Wien) erwähnenswert. Diese wurden womöglich selbst von den jungen Künstlern angefertigt und geben einen interessanten Einblick in das Atelier der »Künstler-Compagnie« in der Sandwirtgasse um 1883/84. Im Hintergrund sind jeweils deutlich jene Entwürfe für die Ahnengemälde erkennbar.

Galerie

Künstlerische Arbeiten Gustav Klimts für Schloss Pelesch

  • Gustav Klimt: Porträt Philipp Friedrich Christoph Graf von Hohenzollern (Entwurf), 1883-1885, Muzeul Naţional de Istorie a României
    © Muzeul Naţional de Istorie a României, Bukarest (MNIR), Foto: Marius Amarie
  • Gustav Klimt: Porträt Philipp Friedrich Christoph Graf von Hohenzollern, 1883, Muzeul Național Peleș
    © Muzeul Național Peleș
  • Gustav Klimt: Porträt Eitel Friedrich VI. Graf von Zollern, 1883-1885, Muzeul Naţional de Istorie a României
    © Muzeul Naţional de Istorie a României, Bukarest (MNIR), Foto: Marius Amarie
  • Gustav Klimt: Porträt Eitel Friedrich VII. Graf von Zollern, 1883/84, Muzeul Național Peleș
    © Muzeul Național Peleș
  • Gustav Klimt: Bildnis eines Vorfahren der Hohenzollern-Sigmaringen Familie (Johann Georg Graf von Hohenzollern?) (Entwurf), 1883-1885, Muzeul Naţional de Istorie a României
    © Muzeul Naţional de Istorie a României, Bukarest (MNIR), Foto: Marius Amarie
  • Gustav Klimt: Porträt Johann Georg Graf von Hohenzollern, 1883/84, Muzeul Național Peleș
    © Muzeul Național Peleș
  • Gustav Klimt: Porträt Wolfgang Graf von Zollern (Entwurf), um 1884, Muzeul Naţional de Istorie a României
    © Muzeul Naţional de Istorie a României, Bukarest (MNIR), Foto: Marius Amarie
  • Gustav Klimt: Porträt Wolfgang Graf von Zollern, 1884, Muzeul Național Peleș
    © Muzeul Național Peleș
  • Gustav Klimt: Porträt Friedrich I. Graf von Zollern (Entwurf), um 1884, Muzeul Naţional de Istorie a României
    © Muzeul Naţional de Istorie a României, Bukarest (MNIR), Foto: Marius Amarie
  • Gustav Klimt: Porträt Friedrich I. Graf von Zollern, 1884, Muzeul Național Peleș
    © Muzeul Național Peleș

Gustav Klimt: Die Muse Thalia, 1884/85, Muzeul Național Peleș
© Muzeul Național Peleș

Schlosstheater, in: Jacob von Falke: Das rumänische Königsschloss Pelesch, Wien 1893.
© Klimt-Foundation, Wien

Ausstattung für das Schlosstheater
Ab 1884 führte die »Künstler-Compagnie« zudem einen etwa 15 Meter langen Fries mit verschiedenen Allegorien und Musen auf acht Leinwänden aus. Ursprünglich war der Fries für das Musikzimmer oder – laut Aussage Matschs – für die Bibliothek der rumänischen Königin Elisabeth angedacht gewesen. Aufgrund einer Konzeptänderung wurde dieser – bis auf ein Teilstück, das aufgrund von Platzmangel nachträglich in einem Gästezimmer im zweiten Obergeschoss des Schlosses angebracht wurde – kurzerhand im kleinen Schlosstheater montiert. Ergänzend dazu malte Franz Matsch 1884 für den Raum noch das Deckengemälde Der Dichter und die Poesie. Hierfür lieferte Gustav Klimt ebenso einen Entwurf. Dichter und Muse (um 1884, Privatbesitz) wurde jedoch nicht realisiert.

Literatur und Quellen

  • Jacob von Falke: Das rumänische Königsschloss Pelesch, Wien 1893.
  • Tobias G. Natter (Hg.): Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Wien 2012, S. 529-532.
  • Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München - Berlin - London - New York 2007, S. 238-241.
  • Muzeul Național Peleș (Hg.): Gustav Klimt & Künstlerkompagnie. Klimt la Castelul Peles. Catalogul lucrarilor lui Gustav Klimt si Künstlerkompagnie de la Muzeul National Peles, Sinaia 2012.
  • Lucia Curta: Painter and King: Gustav Klimt's Early Decorative Work at Peleş Castle, Romania, 1883-1884, in: Studies in the Decorative Arts, Band 12 (2004/05), S. 98-129.
  • Mihai Haret: Castelul Peleş, Bukarest 1924.
  • Léo Bachelin: Castel Pelesch. Résidence d'été du Roi Charles Ier de Roumanie à Sinaia. Notice descriptive et historique, Paris 1893.
  • Herbert Giese: Franz von Matsch – Leben und Werk. 1861–1942. Dissertation, Wien 1976, S. 286.
  • Herbert Giese: Matsch und die Brüder Klimt. Regesten zum Frühwerk Gustav Klimts, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, 22/23. Jg., Nummer 66/67 (1978/79), S. 48-68.
  • Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band I, 1878-1903, Salzburg 1980, S. 31-35.
  • Agnes Husslein-Arco, Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie, Ausst.-Kat., Oberes Belvedere (Wien), 20.06.2007–02.10.2007, Weitra 2007, S. 74-89.
  • Christian M. Nebehay (Hg.): Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 100-101.
  • Neue Freie Presse (Abendblatt), 10.09.1875, S. 1.
  • Wiener Allgemeine Zeitung (Mittagblatt), 12.10.1883, S. 3.
  • Pester Lloyd, 30.09.1896, S. 3.
  • Neue Illustrierte Zeitung, 17.09.1882, S. 803.
  • Carl von Lützow: Das rumänische Königsschloss Pelesch, in: Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 5. Jg. (1894), S. 241-245.
  • Narcis Dorin Ion: Gustav Klimt and the Künstler-Compagnie at Peles Castle, in: The Unknown Klimt - Love, Death, Ecstasy, Ausst.-Kat., Muzej Grada Rijeke (Rijeka), 20.04.2021–20.10.2021, Rijeka 2021, S. 32-39.
  • Centralblatt der Bauverwaltung, 17.02.1894, S. 65-66.
  • N. N.: Atelier Klimt und Matsch, in: Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 20. Jg., Heft 232 (1885), S. 308.

Stadttheater Fiume

Stadttheater Fiume, in: Erzherzog Rudolf (Hg.): Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band 12, Wien 1893.
© Klimt-Foundation, Wien

Mitte der 1880er Jahren wurde die »Künstler-Compagnie« für die dekorative Ausstattung des Stadttheaters Fiume – einen weiteren Theaterbau von Fellner & Helmer – herangezogen. Der Auftrag umfasste sechs Deckengemälde sowie ein Proszeniumbild und zwei kleinere Gemälde für den Zuschauerraum.

Gustav und Ernst Klimt sowie Franz Matsch erhielten als »Künstler-Compagnie« vermutlich im Verlauf des Jahres 1884 einen neuen Auftrag. Das Stadttheater in Fiume (heute: Rijeka, Kroatien), für dessen Bau erneut das Wiener Architektenbüro Fellner & Helmer verantwortlich war, sollten sie zusammen und innerhalb einer kurzen Zeitspanne insgesamt neun Gemälde für den Zuschauerraum anfertigen.

»Allegorie der verschiedenen Musikgattungen«
Gustav Klimt und Franz Matsch malten jeweils drei der kreisförmig angeordneten Deckengemälde. In ihrer Gesamtheit stellen sie die verschiedenen Gattungen der Musik dar. Von der zeitgenössischen Presse wurden diese zusammen mit dem Proszeniumsbild als »Allegorien der verschiedenen Musikgattungen« oder auch konkret als »Tanz, Liebe, Kampf, Concert, Operette, religiöse Musik und Gesang« betitelt. Das Proszeniumsbild selbst sowie zwei kleinere Darstellungen mit Putti in Form von Lünetten über den Ehrenlogen wurden hingegen von Ernst Klimt geschaffen.

Galerie

Dekorative Ausschmückung im Stadttheater Fiume

  • Gustav Klimt: Antonius und Kleopatra (Allegorie der Opera seria), 1885, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Gustav Klimt: Die heilige Cäcilia (Allegorie der Musik), 1885, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Gustav Klimt: Orpheus und Eurydike (Allegorie der Poesie), 1885, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Franz Matsch: Antike Tanzdarbietung vor Zusehern, 1885, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Franz Matsch: Komische Oper, 1885, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Franz Matsch: Tanz, 1885, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Ernst Klimt: Proszeniumbild, 1885, Kroatisches Nationaltheater Ivan Zajc, Rijeka
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Ernst Klimt: Engel mit Blumenkorb, 1885, Kroatisches Nationaltheater Ivan Zajc, Rijeka
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka
  • Ernst Klimt: Engel mit Trompete, 1885, Kroatisches Nationaltheater Ivan Zajc, Rijeka
    © Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka

Deckenensemble
© Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca, Rijeka

Ankündigungsplakat von 1885 für die ersten aufgeführten Theaterstücke im Stadttheater Fiume
© City Museum of Rijeka

Gustav Klimt: Orpheus und Eurydike (Allegorie der Poesie) (Entwurf) , 1885, Muzeul Naţional de Artă al României
© Muzeul Naţional de Artă al României

Präsentation in Wien
Im März 1885 präsentierte die »Künstler-Compagnie« für wenige Tage ihre Werke im Zuge einer Ausstellung im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute: MAK, Wien). Die wenigen zu diesem Anlass publizierten Rezensionen bewerteten die Arbeiten der Gebrüdern Klimt und Franz Matsch durchaus positiv: In der Kunstchronik heißt es, dass die Ausführung und Farbgebung der Gemälde »als lebendig und geschickt« zu bewerten sind. Ein Rezensent der Tageszeitung Die Neue Freie Presse äußerte sich darüberhinaus wie folgt:

»Die neuen Bilder (in Leimfarbe) sind so phantasiereich, mit solchem Geschick in den Raum hineincomponirt [!] und so tüchtig gemalt, daß man nur wünschen kann, die drei hochbegabten Künstler möchten auch bald in Wien selbst zu einer solchen Aufgabe herangezogen werden.«

Wann genau die finalisierten Gemälde schließlich nach Fiume transportiert wurden, ist unbekannt. Die feierliche Eröffnung des Theaters selbst fand Anfang Oktober 1885 – ungefähr ein halbes Jahr nach der öffentlichen Präsentation der Werke in Wien – mit einer Aufführung von Giuseppe Verdis Aida statt.

Verbleib der Entwürfe Klimts
Klimts drei Entwürfe für Fiume verblieben nach Auftragsabschluss im Besitz des Künstlers. Im November 1904 übergab er diese an die Galerie H. O. Miethke zum Verkauf, wo die Arbeiten aber fälschlicherweise als Ölskizzen für das Bukarest-Theater gelistet waren. Die Skizze zu Orpheus und Eurydike (Allegorie der Poesie) (1885) erwarb im Sommer 1912 ein Bukarester Sammler. Sie befindet sich heute im Muzeul Național de Artă al României in Bukarest. Im gleichen Jahr kaufte die Moderne Galerie (heute: Belvedere, Wien) die beiden anderen Entwürfe für je 350 Kronen (ca. 1.940 Euro) an. Heute verwahrt die Institution nur noch den Entwurf zu Die heilige Cäcilia (Allegorie der Musik) (1885); Antonius und Kleopatra (Allegorie der Opera seria) (1885) wurde 1946 gestohlen und gilt bis heute als verschollen.

Literatur und Quellen

  • Irena Kraševac: Allegorische Bilder von Gustav Klimt und Franz Matsch im Stadttheater von Rijeka (Fiume), in: Mitteilungen der Gesellschaft für vergleichende Kunstforschung in Wien, 67. Jg., Heft 1/2 (2019), S. 1-17.
  • k. k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie (Hg.): Jahresbericht des k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie für 1885, Wien 1885, S. 4.
  • Tobias G. Natter (Hg.): Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne, Ausst.-Kat., Jüdisches Museum Wien (Wien), 19.11.2003–08.02.2004, Wien 2003, S. 250.
  • Neue Freie Presse, 24.03.1885, S. 7.
  • Die Presse, 24.03.1885, S. 10.
  • N. N.: The Unknown Klimt - Love, Death, Ecstasy, Ausst.-Kat., Muzej Grada Rijeke (Rijeka), 20.04.2021–20.10.2021, Rijeka 2021.
  • Agnes Husslein-Arco, Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt 150 Jahre, Ausst.-Kat., Oberes Belvedere (Wien), 13.07.2012–27.01.2013, Wien 2012, S. 36-43.
  • Die Presse, 08.10.1885, S. 11.
  • Neue Freie Presse, 16.12.1883, S. 17.
  • Neue Freie Presse, 31.10.1885, S. 24.
  • Der Bautechniker. Centralorgan für das österreichische Bauwesen, 3. Jg., Nummer 8 (1883), S. 3.
  • Der Bautechniker. Centralorgan für das österreichische Bauwesen, 5. Jg., Nummer 51 (1885), S. 1-2.
  • Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe, 20. Jg., Heft 26 (1884/85), Spalte 446.
  • Wiener Zeitung, 24.03.1885, S. 5.
  • Neuigkeits-Welt-Blatt, 09.08.1885, S. 7.
  • N. N.: Atelier Klimt und Matsch, in: Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, 20. Jg., Heft 232 (1885), S. 308.

Hermesvilla

Hermesvilla im Lainzer Tiergarten, eine Radierung nach einer Fotografie von Josef Löwy
© Klimt-Foundation, Wien

Die »Künstler-Compagnie« gestaltete die Hohlkehle des Schlafzimmers der Kaiserin Elisabeth in der Hermesvilla mit Szenen aus William Shakespeares Sommernachtstraum sowie ein Deckenbild im Salon. Zum Teil arbeiteten sie nach Vorlagen ihres ehemaligen Lehrers Julius Victor Berger sowie nach einem eigenen Entwurf.

Der Architekt Carl Freiherr von Hasenauer erhielt am 10. Juni 1882 von Kaiser Franz Joseph I. den Auftrag ein »Schloss zum Träumen« zu errichten. Anfang des Jahres 1884 ließ der Kaiser den Bau in das Eigentum von Kaiserin Elisabeth übertragen. In nur fünfjähriger Bauzeit (1882–1886) realisierte Hasenauer den aus dem kaiserlichen Privatfonds finanzierten Bau im Lainzer Tiergarten. Bau und Einrichtung wurden am 7. Juli 1886 als vollendet bezeichnet. Am Rande der Großstadt und des Wiener Walds gelegen, sollte die Hermesvilla der Kaiserin, Kronprinz Rudolph und Kaiser Joseph I. als »Jagdhaus im k. k. Thiergarten« dienen.

Hans Makart: Dekorationsentwurf für das Schlafzimmer Kaiserin Elisabeths in der Hermesvilla, 1882, Belvedere, Wien
© Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll

Carl Hasenauer: Entwurfsskizzen für das Schlafzimmer der Hermesvilla, Albertina, Wien
© ALBERTINA, Wien

Ein Sommernachtstraum
Für dessen Ausstattung wurden die wichtigsten Künstler der Monarchie herangezogen, die auch den Geschmack des Kaisers trafen: Carl von Hasenauer, der Bildhauer Viktor Tilgner und der Maler Hans Makart. Makart hatte bereits den Hauptvorhang des Wiener Stadttheaters mit Szenen aus William Shakespeares Ein Sommernachtstraum (1872, Wien Museum, Wien) gestaltet. Knapp zehn Jahre später erhielt der berühmte Maler vom Kaiser persönlich den Dekorationsauftrag zur Ausstattung der Hermesvilla. Vor allem das Schlafzimmer sollte, dem Makart-Stil folgend, prunkvoll ausgestattet werden. Thematisch war es Shakespeares Ein Sommernachtstraum gewidmet, dessen märchenhafte Aura, nicht ohne einen Schuss Ironie, Elisabeth besonders faszinierte. Ein von Makart konzipierter Dekorationsentwurf (1882, Belvedere, Wien) für das Schlafzimmer Kaiserin Elisabeths lässt den Reichtum an Farben, Materialien und Stoffen erahnen, jedoch verhinderte der frühe Tod Makarts dessen Ausführung durch den Meister selbst. Die Makart-Schüler Eduard Charlemont, Carl Rudolf Huber und Julius Victor Berger sollten schließlich die Entwürfe ihres Mentors umarbeiten.

Im Jahr 1885 wurde auch die »Künstler-Compagnie« für die Ausstattung der Hermesvilla in Lainz bei Wien herangezogen. Unter der Leitung ihres ehemaligen Lehrers Berger gestalteten Franz Matsch sowie Ernst und Gustav Klimt die Szenen in den Hohlkehlen im Schlafzimmer. Es war für sie ein erster wichtiger Schritt, um später Aufträge in repräsentativen Bauten der Ringstraße zu erhalten. Gleichzeitig bedeutete es für die »Künstler-Compagnie« ein Aufstieg von Theatermalern in den Kronländern zu ernstzunehmenden Dekorationsmalern in der Residenzstadt Wien.

Gustav Klimt, Ernst Klimt, Franz Matsch sen.: Ein Sommernachtstraum, 1884/85, Wien Museum, Hermesvilla
© Wien Museum, Foto: Lisa Rastl

Einblick in die Hermesvilla, vor 1900, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Gustav Klimt, Ernst Klimt, Franz Matsch sen.: Der Frühling, 1885, Wien Museum, Hermesvilla
© Wien Museum

Salon
Neben den Hohlkehlen dekorierte die »Künstler-Compagnie« ebenso die Decke des Salons der Kaiserin mit einer Darstellung des Frühlings. Der Frühling (1885, Wien Museum, Hermesvilla, Wien) zeigt eine jagende Diana sowie eine Flora in weißem Kleid, ergänzt durch Putti und Rosengirlanden. In den renommierten Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie urteilte der Kunsthistoriker und Kustos der Kunstkammer im k. k. Kunsthistorischen Hofmuseum, Albert Ilg, wohlwollend:

»Den Plafond haben Klimt und Matsch mit Genien und schwebenden Mädchengestalten bemalt, die sich, mit Blumengewinden beladen, vom blauen Äther abheben. Die beiden hochtalentierten Maler haben da eine neue Probe von Geschmack und frischer Darstellungsweise gegeben.«

Da das in Öl auf Verputz ausgeführte Werk Mitte des 20. Jahrhunderts stark beschädigt und danach laienhaft restauriert wurde, ist eine Händescheidung zum heutigen Zeitpunkt kaum möglich. Dies gilt auch für die Hohlkehlenbilder, in denen sich die Maler der »Künstler-Compagnie« an die Entwürfe Bergers hielten.

Literatur und Quellen

  • Albert Ilg: Die kaiserliche Villa im Thiergarten, in: Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Monatsschrift für Kunst und Gewerbe, N.F., 2. Jg., Heft 9 (1887), S. 427-431.
  • Renata Kassal-Mikula: Kaiserin Elisabeths Schlafzimmer, in: Wien Museum (Hg.): Hans Makart. Malerfürst (1840-1884), Ausst.-Kat., Hermesvilla (Wien), 14.10.2000–16.04.2001, Wien 2000, S. 132.
  • Ralph Gleis (Hg.): Makart. Ein Künstler regiert die Stadt, Ausst.-Kat., Wien Museum (Wien), 09.06.2011–16.10.2011, München 2011, S. 183.

Stadttheater Karlsbad

Stadttheater Karlsbad
© Klimt-Foundation, Wien

Für das im Jahr 1886 eröffnete Stadttheater in Karlsbad gestalteten Franz Matsch und die Brüder Klimt wieder in bewährter Zusammenarbeit vier Deckenbilder, ein Proszeniumsbild und einen Hauptvorhang, der auch kurzzeitig im k. k. Museum für Kunst und Industrie der Öffentlichkeit in Wien präsentierte wurde.

In dem in der Monarchie beliebten böhmische Kurort Karlsbad (heute: Karlovy Vary, Tschechien) eröffnete am 15. Mai 1886 ein neues, freistehendes Stadttheater mit dessen Bau das Wiener Architektenbüro Fellner & Helmer 1883 nach Durchführung mehrere Bauwettbewerbe betraut worden war.

Die »Künstler-Compagnie« erhielt 1884 den Auftrag für die dekorative Ausschmückung vermutlich erneut auf Empfehlung der beiden Wiener Architekten. Wie bereits bei den früheren Theateraufträgen führte Ernst Klimt ein Proszeniumbild aus; Franz Matsch und Gustav Klimt erstellten für den Zuschauerraum die vier Deckengemälde Das Spiel, Die Jagd, Der Tanz und Die Tafelfreuden (alle 1886, Karlovarské městské divadlo, Karlsbad). Zu deren malerischen Entstehungsprozess ist heute wenig bekannt, denn als Entwurf hat sich lediglich jener von Klimt, Die Tafelfreuden (1886, Privatbesitz), erhalten.

Galerie

Künstlerische Innenausstattung im Stadttheater Karlsbad

  • Gustav Klimt: Die Tafelfreuden, 1886, Karlovarské městské divadlo
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Gustav Klimt: Der Tanz, 1886, Karlovarské městské divadlo
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Franz Matsch: Die Jagd, 1886, Karlovarské městské divadlo, in: Josef Löwy: Figurale Compositionen für die malerische Ausschmückung von Decken, Wänden, Zwickeln, Lünetten und kunstgewerblichen Objecten aller Art. Lichtdrucke nach Gemälden und Zeichnungen Wiener Künstler, Band 2, Wien 1898.
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Franz Matsch: Das Spiel, 1886, Karlovarské městské divadlo, in: Josef Löwy: Figurale Compositionen für die malerische Ausschmückung von Decken, Wänden, Zwickeln, Lünetten und kunstgewerblichen Objecten aller Art. Lichtdrucke nach Gemälden und Zeichnungen Wiener Künstler, Band 2, Wien 1898.
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Ernst Klimt: Proszeniumbild, 1886, Karlovarské městské divadlo, in: Josef Löwy: Figurale Compositionen für die malerische Ausschmückung von Decken, Wänden, Zwickeln, Lünetten und kunstgewerblichen Objecten aller Art. Lichtdrucke nach Gemälden und Zeichnungen Wiener Künstler, Band 2, Wien 1898.
    © Universitätsbibliothek Heidelberg

Frederic Leighton: Painter's Honeymoon, um 1864, Museum of Fine Arts, Boston
© Museum of Fine Arts, Boston

Gustav Klimt, Ernst Klimt, Franz Matsch sen.: Die Huldigung an die Bühnenkunst, 1886, Karlovarské městské divadlo
© Universitätsbibliothek Heidelberg

Deckenensemble (Detail)
© Karlovarské městské divadlo

Künstlerische Einflüsse
Im Vergleich zu Klimts Werken für das Stadttheater Reichenberg (heute: Liberec, Tschechien) wirken die Szenen in den beiden Gemälden viel bewegter. Rückenfiguren lenken den Blick in den Mittelgrund. Zudem ist die Komposition in Die Tafelfreuden bildparallel und in Der Tanz in die Tiefe fluchtend angelegt. Darüberhinausgehend zeigen diese Werke erstmals Klimts Auseinandersetzung mit Kunstwerken aus der ehemaligen kaiserlichen Gemäldesammlung und der englischen Kunst auf: So erinnert beispielsweise der Brokatumhang der Lautespielerin an Moretto da Brescias Hl. Justina, von einem Stifter verehrt (1530–1534, Kunsthistorisches Museum, Wien). Die Stofflichkeit und die Muster ähneln insgesamt auch sehr den ornamentalen Stoffentwürfen des englischen Malers und Textildesigners William Morris. Für den genrehaften Charakter der Darstellungen könnten auch die malerischen Werke von Frederic Leighton Pate gestanden haben.

Die Huldigung an die Bühnenkunst
Den Theatervorhang Die Huldigung an die Bühnenkunst (1886, Karlovarské městské divadlo, Karlsbad) gestaltete das Künstlertrio wieder gemeinsam. Diesen präsentierten sie nach dessen Fertigstellung und kurz vor der offiziellen Eröffnung des Theaters am Wochenende vom 8. auf den 9. Mai 1886 in Wien, im k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute: MAK, Wien). Konkrete Informationen über das Bildprogramm lassen sich vor allem in der zeitgenössischen Berichterstattung finden. So handelt es sich um eine allegorische Darstellung der Poesie oder Dichtkunst. Eine detaillierte Beschreibung lieferte dazu ein Ausstellungskritiker der Neue Freie Presse am 9. Mai 1886:

»Umgeben von den neun Musen, welche alle reizvoll bewegt und zutreffend charahterisirt [!] sind, agiren [!] Gruppen, welche, die Liebe, das Familienleben, die Lebensfreude u.s.w. bedeutend, eben den Stoff bieten, der von den Musen in allen Künsten und namentlich in der Dichtkunst zu lebensvoller Darstellung gebracht wird. Einzelne Figuren erinnern durch den Zauber des Colorites an Makart […]«.

Der gleiche Rezensent resümierte abschließend, dass der Vorhang »eine der erfreulichsten Erscheinungen auf dem Gebiete der decorativen Malerei« wäre.

Kritische Stimmen
In diesem Kontext erscheint es umso bemerkenswerter, dass die Neue Freie Presse am 26. Juni 1886 eine nachträgliche Kritik zu den Werken der »Künstler-Compagnie« veröffentlichte, obwohl diese in den bisherigen Berichten der Zeitung lobend erwähnt worden waren. Die schriftliche Bemängelung galt in dem Fall ausschließlich den Deckenbildern:

»Diese Deckengemälde sind in tiefer Farbenstimmung gehalten und heben sich, jedes einzelne als coloristischer Fleck genommen, von dem reinen Weiß der Decke auch sehr energisch ab, ja zu energisch, denn sie fallen förmlich heraus und werden in Bezug auf ihren Inhalt durch den Contrast [!] gegen das scharfe Weiß der Decke undeutlich.«

Den Grund für diese Mangel war laut dem unbekannten Verfasser dadurch gegeben, dass die Gemälde nicht an Ort und Stelle, sondern in dem Atelier der Künstler ausgeführt worden waren. Ob die drei jungen Künstler auf diese Kritik reagierten, ist nicht bekannt.

Literatur und Quellen

  • Tobias G. Natter (Hg.): Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Wien 2012, S. 535.
  • Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München - Berlin - London - New York 2007, S. 243.
  • Michaela Seiser: Die Künstler-Compagnie, in: Agnes Husslein-Arco, Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie, Ausst.-Kat., Oberes Belvedere (Wien), 20.06.2007–02.10.2007, Weitra 2007, S. 8-73.
  • Die Presse, 08.05.1886, S. 10.
  • Österreichische Badezeitung, 23.05.1886, S. 50.
  • Prager Abendblatt, 18.05.1886, S. 3.
  • Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band I, 1878-1903, Salzburg 1980, S. 50-53.
  • Josef Löwy: Figurale Compositionen für die malerische Ausschmückung von Decken, Wänden, Zwickeln, Lünetten und kunstgewerblichen Objecten aller Art. Lichtdrucke nach Gemälden und Zeichnungen Wiener Künstler, Band 2, Wien 1898, Tafel 40-44A.
  • Neue Freie Presse, 09.05.1886, S. 5.
  • Neue Freie Presse, 26.06.1886, S. 4.
  • Neue Freie Presse, 16.05.1886, S. 8.
  • Neue Freie Presse, 13.05.1886, S. 4-5.
  • Neues Wiener Tagblatt, 15.05.1886, S. 4.
  • Wiener Abendpost. Beilage zur Wiener Zeitung, 18.05.1886, S. 3.
  • Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 3. Jg. (1887/88), S. 192-194.
  • Kunstverlag Schroll (Hg.): Die malerische Ausschmückung des neuen Stadttheaters in Carlsbad. componirt und ausgeführt von Franz Matsch, Gustav Klimt und Ernst Klimt, Wien 1886.

k. k. Hofburgtheater

k. k. Hofburgtheater, in: V. A. Heck Verlag (Hg.): Das k. k. Hofburgtheater in Wien. erbaut von Carl Freiherrn von Hasenauer, Wien 1890.
© Klimt-Foundation, Wien

Zwischen 1886 und 1888 stattete die »Künstler-Compagnie« die beiden repräsentativen Treppenhäuser des neu errichteten k. k. Hofburgtheaters mit malerischen Szenen aus der Theatergeschichte aus. Es handelte sich dabei um ihren ersten eigenständigen Großauftrag in der Residenzstadt Wien

Am 20. Oktober 1886 erhielt die »Künstler-Compagnie« – vermutlich unter anderem auf Empfehlung von Rudolf Eitelberger – den Auftrag für 10.000 Gulden (ca. 139.705 Euro) Deckenbilder in den beiden seitlichen Stiegenhäusern des von Gottfried Semper und Carl Hasenauer geplanten k. k. Hofburgtheaters (heute: Burgtheater, Wien) »zur ungeteilten Hand« auszuführen. Diese sollten – entsprechend dem von Theaterdirektor Adolf von Wilbrandt entwickelten Programm – die Geschichte des Theaters von der Antike bis zum 18. Jahrhundert repräsentieren.

Galerie

Akkord-Protokoll betreffend die Ausschmückung der Treppenhäuser im k. k. Hofburgtheater

  • Akkord-Protokoll betreffend die Ausschmückung der Treppenhäuser im k. k. Hofburgtheater, unterschrieben von Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt, Eduard Wlassack und Mitgliedern des Hof-Bau-Comités, 20.10.1886, Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungs-, Finanz- und Hofkammerarchiv (AVA), Ministerium des Inneren, Bestand: Stadterweiterungsfonds, Hofbaukomitee
    © Österreichisches Staatsarchiv, Wien
  • Akkord-Protokoll betreffend die Ausschmückung der Treppenhäuser im k. k. Hofburgtheater, unterschrieben von Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt, Eduard Wlassack und Mitgliedern des Hof-Bau-Comités, 20.10.1886, Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungs-, Finanz- und Hofkammerarchiv (AVA), Ministerium des Inneren, Bestand: Stadterweiterungsfonds, Hofbaukomitee
    © Österreichisches Staatsarchiv, Wien
  • Akkord-Protokoll betreffend die Ausschmückung der Treppenhäuser im k. k. Hofburgtheater, unterschrieben von Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt, Eduard Wlassack und Mitgliedern des Hof-Bau-Comités, 20.10.1886, Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungs-, Finanz- und Hofkammerarchiv (AVA), Ministerium des Inneren, Bestand: Stadterweiterungsfonds, Hofbaukomitee
    © Österreichisches Staatsarchiv, Wien

Franz Matsch sen.: Antiker Improvisator (Entwurf), 1886-1887, Wien Museum
© Wien Museum, Foto: Birgit und Peter Kainz

Von den insgesamt zehn Secco-Gemälden führte Gustav Klimt bis 1888 vier aus, die er jeweils durch Skizzen und Entwürfe vorbereitete. Dabei handelt es sich konkret um Das Globetheater Shakespeares, Der Thespiskarren und Der Altar des Dionysos im südlichen Stiegenhaus sowie Das Theater in Taormina, das im nördlichen Stiegenhaus verortet ist (alle 1886-1888, Burgtheater Wien). Weitere vier stammen von Franz Matsch und zwei von Ernst Klimt. In diesen mit Ölfarben auf vorgrundiertem Verputz ausgeführten Werken zeigen sich erstmals gestalterische Entscheidungen, die für die spätere Entwicklung Klimts modernen Bildsprache wichtig werden sollten.

Galerie

Künstlerische Arbeiten von Gustav Klimt für das k. k. Hofburgtheater

  • Gustav Klimt: Das Globetheater Shakespeares (Entwurf), 1886, Verbleib unbekannt
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Gustav Klimt: Das Globetheater Shakespeares, 1888, Burgtheater
    © Georg Soulek
  • Gustav Klimt: Der Thespiskarren (Entwurf), 1886, Verbleib unbekannt
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Gustav Klimt: Der Thespiskarren, 1888, Burgtheater
    © Georg Soulek
  • Gustav Klimt: Der Altar des Dionysos (Entwurf), 1886, Leopold Museum Privatstiftung, Schenkung aus Wiener Privatbesitz
    © Leopold Museum, Wien / Manfred Thumberger
  • Gustav Klimt: Der Altar des Dionysos, 1888, Burgtheater
    © Georg Soulek
  • Gustav Klimt: Das Theater in Taormina (Entwurf), 1886, Privatbesitz
    © Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Gustav Klimt: Das Theater in Taormina, 1888, Burgtheater
    © Georg Soulek

Deckenensemble im südlichen Stiegenhaus
© Georg Soulek

Lawrence Alma-Tadema: Sappho und Alcaeus, 1881, The Walters Art Museum
© The Walters Art Museum

Vorbilder und fotografische Vorlagen
Gustav Klimt strebte offensichtlich in diesen Werken nach größtmöglicher Authentizität und Anschaulichkeit. So schildert er die für die jeweilige Epoche charakteristischen Möbel und Bauten in allen Details. Die penibel rekonstruierten Theaterbühnen zeigen den Einfluss der Antikenrekonstruktionen des überaus erfolgreichen niederländischen Malers Sir Lawrence Alma-Tadema und des Engländers John William Waterhouse. Gustav Klimt verarbeitete in Zuge dessen aber auch internationale zeitgenössische Tendenzen – wie hier das realistische Historienbild – in seiner persönlichen Handschrift.

Darüber hinaus betrieb die »Künstler-Compagnie« intensive Gewand-, Objekt- und Haltungsstudien. Als Modelle fungierten Familienmitglieder und die drei Künstler selbst, die in authentischen Theaterkostümen posierten, wie Fotografien belegen. Im direkten Vergleich wird heute ersichtlich, dass diese Aufnahmen nachweislich als Vorlage für die Gemälde genutzt wurden.

Galerie

Stellungsfotos

  • Georg Klimt als »Romeo«
    © Klimt-Foundation, Wien (Schenkung Archiv Nebehay)
  • Johanna Zimpel als Modell
    © Klimt-Foundation, Wien (Schenkung Archiv Nebehay)
  • Hermine Klimt als Modell
    © Klimt-Foundation, Wien (Schenkung Archiv Nebehay)

Klimts Selbstporträt
Gustav Klimt nutzte ebenso die Gelegenheit sich selbst in einem der Deckengemälde zu verewigen. In Das Globetheater Shakespeares positionierte er sich sowie seinen Bruder Ernst und Franz Matsch im Hintergrund als Zuschauer im Publikum. Diese Darstellung ist das bislang einzige bekannte Selbstporträt Gustav Klimts.

Gustav Klimt: Das Globetheater Shakespeares, 1888, Burgtheater
© Georg Soulek

Goldenes Verdienstkreuz mit Krone
© Dorotheum Wien, Auktionskatalog 17.11.2017

Vollendung und Auszeichnung
Klimt selbst dürfte nach Fertigstellung der Werke nicht mit dem Ergebnis zufrieden gewesen sein. So erinnerte sich Franz Matsch noch Jahrzehnte später in seinen Memoiren an die gemischten Gefühle der Künstler zum damaligen Zeitpunkt:

»Endlich kam der Tag der Vollendung. Als wir unser Werk das erste Mal ganz sahen ohne Gerüst packte uns Verzweiflung. Besonders Gustav KLIMT äußerte sich dramatisch: Dreck, Saudreck und dergl. Schönes mehr – so war unser Urteil.«

Die Selbstkritik war jedoch unbegründet. Laut Matsch war die gesamte Baukommission und der Architekt Carl von Hasenauer von den vollendeten Arbeiten der »Künstler-Compagnie« sehr angetan. Unmittelbar nach der feierlichen Eröffnung im Oktober 1888 erhielten Gustav Klimt, sein Bruder und Franz Matsch für die künstlerische Ausschmückung des Theaters schließlich auch das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone von Kaiser Franz Joseph I. verliehen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte es die »Künstler-Compagnie« somit in die erste Riege der Wiener Kunstschaffenden geschafft. 

Literatur und Quellen

  • Otmar Rychlik: Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Burgtheater, Wien 2007.
  • Josef Bayer: Vom Neuen Hofburgtheater. Die Theater Wiens, Dritter Band, Rückschau und Ergänzung, in: Die Graphischen Künste, 19. Jg. (1896), S. 87-104.
  • Herbert Giese: Matsch und die Brüder Klimt. Regesten zum Frühwerk Gustav Klimts, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, 22/23. Jg., Nummer 66/67 (1978/79), S. 48-68.
  • Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst (Hg.): Die Theater Wiens, Band III, Wien 1894.
  • Österreichische Kunst-Chronik, Nummer 41 (1888), S. 1017-1028.
  • Österreichische Kunst-Chronik, Nummer 43 (1888), S. 1079.
  • Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe, 22. Jg., Heft 8 (1886/87), Spalte 132.
  • Agnes Husslein-Arco, Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie, Ausst.-Kat., Oberes Belvedere (Wien), 20.06.2007–02.10.2007, Weitra 2007, S. 56-67.
  • V. A. Heck Verlag (Hg.): Das k. k. Hofburgtheater in Wien. erbaut von Carl Freiherrn von Hasenauer, Wien 1890.
  • Christian M. Nebehay (Hg.): Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 88-96.
  • Akkord-Protokoll betreffend die Ausschmückung der Treppenhäuser im k. k. Hofburgtheater, unterschrieben von Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt, Eduard Wlassack und Mitgliedern des Hof-Bau-Comités (20.10.1886). AT-OeStA/AVA Inneres MdI STEF A Hofbauk. 30.36 fol. 2+3, Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungs-, Finanz- und Hofkammerarchiv (AVA).
  • Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band I, 1878-1903, Salzburg 1980, S. 54-57.
  • Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München - Berlin - London - New York 2007, S. 244-246.
  • Tobias G. Natter (Hg.): Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Wien 2012, S. 536-541.
  • Wiener Zeitung, 30.10.1888, S. 1.
  • Wiener Allgemeine Zeitung, 14.10.1888, S. 1-4.
  • Markus Fellinger: Klimt, die Künstler-Compagnie und das Theater, in: Agnes Husslein-Arco, Alexander Klee (Hg.): Klimt und die Ringstraße, Ausst.-Kat., Unteres Belvedere (Wien), 03.07.2015–11.10.2015, Wien 2015, S. 35-48.
  • Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 4. Jg., Heft 3 (1888), S. 33-41.
  • Monika Faber, Agnes Husslein-Arco (Hg.): Inspiration Fotografie. Von Makart bis Klimt, Ausst.-Kat., Unteres Belvedere (Wien), 17.06.2016–30.10.2016, Wien 2016, S. 210-213.

Allegorien und Embleme

Titelseite, in: Martin Gerlach (Hg.): Allegorien und Embleme. Originalentwürfe von den hervorragendsten modernen Künstlern, sowie Nachbildungen alter Zunftzeichen und modernen Entwürfen von Zunftwappen im Charakter der Renaissance. Abtheilung I. Allegorien, Wien 1882/84.
© Klimt-Foundation, Wien

Ab 1881 arbeitete Gustav Klimt im Auftrag von Martin Gerlach am Vorlagenwerk Allegorien und Embleme. Er fertigte für das Druckwerk Entwürfe diverser Allegorien sowohl im Medium der Zeichnung als auch der Ölmalerei an.

Martin Gerlachs Mappenwerk Allegorien und Embleme diente Künstlern und Kunsthandwerkern als Vorlagenwerk und sollte das allgemeine Niveau der Kunstproduktion im angewandten Bereich heben. Bereits 1881 engagierte Gerlach dafür, neben renommierten Künstlern wie Wilhelm von Kaulbach, Max Klinger, Franz von Stuck und Julius Victor Berger, auch Studierende der k. k. Kunstgewerbeschule, darunter Gustav und Ernst Klimt sowie Franz Matsch. Die Mappe sollte »Originalentwürfe von den hervorragendsten modernen Künstlern« enthalten. Im Rahmen dieser Mitarbeit wurde Gustav Klimt in der Presse erstmals außerhalb der »Künstler-Compagnie« als individuelle Künstlerpersönlichkeit wahrgenommen. Die Kritiken fielen ambivalent aus, es gab sowohl lobende als auch negative Rezensionen.

Gustav Klimts Beiträge zum Mappenwerk waren die Zeichnungen Die Tageszeiten (1881, Wien Museum, Wien), welche sich an den Randleisten des Gebetbuches von Kaiser Maximilian I. (1513, Bayerische Staatsbibliothek, München) orientierte, Die Reiche der Natur (1882, Wien Museum, Wien), Jugend (1882, Wien Museum), Oper (1883, Wien Museum) und Märchen (1884, Wien Museum).

Galerie

Gustav Klimts Beiträge zu Martin Gerlachs »Allegorien und Embleme«

  • Gustav Klimt: Die Tageszeiten (Reinzeichnung), 1881, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Gustav Klimt: Die Reiche der Natur (Reinzeichnung), 1882, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Gustav Klimt: Jugend (Reinzeichnung), 1882, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Oper (Reinzeichnung), 1883, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Märchen (Reinzeichnung), 1884, Wien Museum
    © Wien Museum

Gustav Klimt: Allegorie der Fabel, 1883, Wien Museum
© Wien Museum

Die Ölgemälde Allegorie der Fabel und Allegorie der Idylle
Darüber hinaus malte er die beiden Ölgemälde Allegorie der Fabel (1883, Wien Museum, Wien) sowie Allegorie der Idylle (1884, Wien Museum, Wien). In beiden Werken wurden die Allegorien von weiblichen, idealisierten Figuren verkörpert. Die Personifikation der Fabel hält eine Schriftrolle in ihrer rechten Hand. Sie wird von zwei Tierpaaren begleitet, dem Löwen mit den Mäusen sowie dem Fuchs mit dem Storch. Beide Motive sind den antiken Fabeln Äsops entlehnt und stellen gleichnishaft menschliches Verhalten dar.

Für die Allegorie der Idylle wählte Gustav Klimt einen architektonisch-figurativen Rahmen, der bereits die Zeitgenossen an Michelangelos Deckengestaltung der Sixtinischen Kapelle erinnerte. Die Allegorie der Idylle stellt Klimt als Frau mit Kindern dar, die sich um ein mit Eiern gefülltes Nest scharen. Wie schon in der Fabel ist die Landschaft im Hintergrund summarisch als Ausblick gegeben. Die Allegorie der Idylle erscheint als Bild im Bild, wobei das blumenbekränzte Medaillon von zwei muskulösen Männerakten gehalten wird, deren Herkunft von Michelangelos Ignudi (15081512, Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt) nicht verleugnet werden kann.  Sie sitzen auf einer Steinbrüstung, welche Titel, Monogramm und Datierung trägt.

Die Originalentwürfe für Allegorien und Embleme wurden 1885 im Rahmen der »Ausstellung sämtlicher Originalzeichnungen. Ölskizzen und Aquarelle zu dem Prachtwerk: Allegorien und Embleme, herausgegeben von Martin Gerlach im Verlag Gerlach und Schenk« im Künstlerhaus dem Wiener Publikum präsentiert.

Gustav Klimt: Allegorie der Idylle, 1884, Wien Museum
© Wien Museum

William Walton: Chefs-d’œuvre de l’Exposition Universelle de Paris, Sonderband »Introduction«, Paris - Philadelphia 1889.
© Klimt-Foundation, Wien

Internationale Presse und Verbreitung
Das Mappenwerk wurde zudem auf der Weltausstellung Paris (1889), das erste Mal im internationalen Kontext in der »deutschen Sektion« präsentiert. Der Rezensent der Kunstchronik Paul Schönfeld erwähnte Klimts Allegorien als

»Das Beste unter der Abteilung ›Allegorien‹ gebotenen Gestalten in prachtvollem Frührenaissancerahmen von Gustav Klimt […], in denen die reifere Jugendzeit zur Darstellung gelangt, allerdings nicht als Allegorien im strengen Sinne, sondern mehr in der Weise, wie Tizian seine ›Himmlische und irdische Liebe‹ behandelt hat [...] in kompositioneller Hinsicht zum Besten der Sammlung zählenden Darstellung der ›Reiche der Natur‹ von G. Klimt in Wien.«

Auch der amerikanische Maler und Kunstschriftsteller William Walton war auf die beiden Allegorien von Gustav Klimt aufmerksam geworden und integrierte sie in seinem Ausstellungsführer »Chefs-d‘œuvre«. Im Einführungsteil verwendete er Die Reiche der Natur und passt die Darstellung seinen Bedürfnissen an, in dem er die Aufschrift der Plakette von »Die Reiche der Natur« auf den Untertitel seines Bandes »Introduction« änderte. Im zweiten Band bildete Walton schließlich auch noch die Allegorie der Idylle ab. Damit sind diese beiden Werke die ersten Arbeiten Klimts, die über den deutschen Sprachraum hinaus Verbreitung fanden.

Literatur und Quellen

  • Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München - Berlin - London - New York 2007.
  • Paul Schönfeld: Allegorien und Embleme, in: Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe, 19. Jg., Heft 3 (1883), Spalte 38-41.
  • Colin B. Bailey (Hg.): Gustav Klimt. Modernism in the Making, Ausst.-Kat., National Gallery of Canada (Ottawa), 15.06.2001–16.09.2001, Ottawa 2001.
  • William Walton: Chefs-d’œuvre de l’Exposition Universelle de Paris, 2. Lieferung, Paris - Philadelphia 1889, S. 10.
  • William Walton: Chefs-d’œuvre de l’Exposition Universelle de Paris, Sonderband »Introduction«, Paris - Philadelphia 1889, S. VII.
  • Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Hg.): Katalog der Ausstellung sämmtlicher Original-Zeichnungen. Oelskizzen und Aquarelle zu dem Prachtwerke: "Allegorien und Embleme" herausgegeben von Martin Gerlach im Verlage von Gerlach & Schenk Wien, Ausst.-Kat., Künstlerhaus (Wien), 21.06.1885–31.08.1885, Wien 1885.

Zeichnungen und Aquarelle

Märchen (Reinzeichnung), 1884, Wien Museum
© Wien Museum

Das Gros der Zeichnungen im Frühwerk von Gustav Klimt entstand als Skizzen und Studien zu Dekorationsaufträgen. Nur wenige Arbeiten auf Papier werden als autonomes Kunstwerk aufgefasst, darunter auch die Gouache Zuschauerraum im Alten Burgtheater, die Klimt im Auftrag der Stadt Wien anfertigte.

Klimts frühe Bleistift- und Tuschezeichnungen galten vornehmlich dem Detailstudium von Figuren, Draperien und Beiwerk für die Dekorationsaufträge der »Künstler-Compagnie«. Diese waren daher meist nur als flüchtige Skizzen ausgeführt. Eine Ausnahme bildet die 1884 entstandene Reinzeichnung für das Märchen (Wien Museum, S 1980: 93), das als Vorlage für das Druckwerk Allegorien und Embleme entstand. Das Blatt in schwarzer Kreide und Tusche zeigt eine autonome, vollkommen ausformulierte Bildkomposition im Medium der Zeichnung.

Aquarelle als Farbstudien
Das Aquarell spielt im grafischen Werk von Gustav Klimt nur eine untergeordnete Rolle. Einige wenige aquarellierte Zeichnungen haben sich erhalten, in denen der Künstler anhand des Aquarellierens kursorisch Farbeffekte erprobte.

Genannt sei in diesem Zusammenhang eine Skizze für einen Theatervorhang (um 1883, Wien Museum), deren genauer Entstehungszeitraum nicht restlos geklärt ist. Außerdem hat sich ein kleinformatiges Aquarellbild nach alten Meistern aus dem Kunsthistorischen Museum erhalten: Kopie nach der Hl. Justina des Moretto da Brescia (um 1883–85, Privatbesitz, S 1980: 111). Dieses entstand höchstwahrscheinlich entweder im Rahmen seiner Ausbildung an der k. k.  Kunstgewerbeschule oder als kleine Farbvorstudie für die großformatigen Kopien in Öl, die Klimt von 1883 bis 1885 für den König von Rumänien anfertigte. Das Muster des Brokatstoffes verwendete er jedenfalls im Auftrag für das Stadttheater in Karlsbad (heute: Karlovy Vary) weiter.

Gustav Klimt: Rudolf von Eitelberger auf dem Totenbett, 1885, Wien Museum
© Wien Museum

Totenbildnisse
Zwischen 1883 und 1888 schuf Klimt zwei Aquarelle, die sich nicht als Farbstudien zu einem geplanten Ölgemälde, sondern als selbstständiges Kunstwerk präsentierten. Die beiden Darstellungen reihten sich in die Tradition der Totenbildnisse ein. Die Porträts Julius Lott auf dem Totenbett (1883, Wien Museum, S 1980: 113) und Rudolf von Eitelberger auf dem Totenbett (1885, Wien Museum, S 1980: 112) sind charakteristisch für den Zeichenstil dieser Jahre. Die vollplastische und detailreiche Herausarbeitung der Köpfe scheint auf Arbeiten nach Fotografien hinzudeuten, wie es Klimt schon in seinen frühen Studienjahren immer wieder praktizierte. Der naturalistische Stil der Aquarelle prägte in den folgenden Jahren auch die Ölporträts, mit denen sich Klimt zunehmend einen Ruf als renommierter Porträtist aufbaute.

Gustav Klimt: Zuschauerraum im Alten Burgtheater, 1888, Wien Museum
© Wien Museum

Galerie

Einzelseiten aus einem Skizzenbuch Klimts von 1888/89

  • Gustav Klimt: Skizzenbuch von Gustav Klimt (Zuschauerraum im alten Burgtheater), 1888-1889, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Gustav Klimt: Skizzenbuch von Gustav Klimt (Zuschauerraum im alten Burgtheater), 1888-1889, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Gustav Klimt: Skizzenbuch von Gustav Klimt (Zuschauerraum im alten Burgtheater), 1888-1889, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Gustav Klimt: Skizzenbuch von Gustav Klimt (Zuschauerraum im alten Burgtheater), 1888-1889, Wien Museum
    © Wien Museum
  • Gustav Klimt: Skizzenbuch von Gustav Klimt (Zuschauerraum im alten Burgtheater), 1888-1889, Wien Museum
    © Wien Museum

Franz Matsch sen.: Das Innere des Alten Burgtheaters, 1888 (Heliogravure)
© Klimt-Foundation, Wien

Zuschauerraum im Alten Burgtheater
Gustav Klimts erstes erfolgreiches Staffeleibild war jedoch kein Ölgemälde, sondern die Gouache Zuschauerraum im alten Burgtheater (1888, Wien Museum, Wien, S 1980: 191). Franz Matsch und Gustav Klimt hatten 1888 von der Stadt Wien den Auftrag erhalten das Innere des alten Burgtheaters, das noch vor Herbst 1888 abgerissen werden sollte, dokumentarisch festzuhalten. Während Matsch den Blick auf die Bühne wiedergab, übernahm Klimt die Ansicht des Zuschauerraumes. In der minutiös ausgeführten Innenraumdarstellung porträtierte er 133 bekannte Wiener Persönlichkeiten. Unter den Dargestellten befinden sich unter anderem die Schauspielerin Katharina Schratt, der spätere Wiener Bürgermeister Karl Lueger, der Komponist Johannes Brahms, der Mediziner Theodor Billroth und der Architekt Hasenauer samt Familie sowie zahlreiche von Klimts späteren Auftraggebern und Mäzenen.

Mit dem Aquarell Zuschauerraum im Alten Burgtheater erzielte Klimt als aufstrebender Künstler einen durchschlagenden Erfolg bei Kritik und Publikum. Die Gouache war so populär, dass davon zahlreiche Heliogravüren vertrieben wurden. Die in Mischtechnik ausgeführte Zeichnung wurde schließlich 1890 im Künstlerhaus ausgestellt, wo sie mit dem Kaiserpreis ausgezeichnet wurde. Die Gouache blieb aber das erste und letzte grafische Werk Klimts, das mit einem Preis ausgezeichnet werden sollte.

Literatur und Quellen

  • Tobias G. Natter (Hg.): Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Wien 2012.
  • Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band I, 1878-1903, Salzburg 1980, S. 69-71.
  • Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München - Berlin - London - New York 2007.
  • Agnes Husslein-Arco, Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie, Ausst.-Kat., Oberes Belvedere (Wien), 20.06.2007–02.10.2007, Weitra 2007.
  • Dr. A.N.: Die Klim-Matsch'schen Gemälde aus dem alten Burgtheater, in: Österreichische Kunst-Chronik, Nummer 24 (1889), S. 701.
  • Leopold Wolfgang Rochowanski: Intimes von Klimt, in: Neues Wiener Journal, 13.01.1929, S. 19.
  • N. N.: Der Kaiser im neuen Rathause, in: Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie, 30.12.1888, S. 4.
  • Ursula Storch (Hg.): Klimt. Die Sammlung des Wien Museums, Ausst.-Kat., Wien Museum (Wien), 16.05.2012–07.10.2012, Wien 2012.