Palais Dumba
Josef Löwy: Einblick in den Musiksalon im Palais Dumba, 1899, MAK – Museum für angewandte Kunst
© MAK
Gustav Klimt: Entwurf einer Wand mit Tür und Supraporte des Musiksalons Dumba, um 1897, Privatbesitz
© Austrian Archives/Scala Florence
Für den einflussreichen Mäzen, den Industriellen Nicolaus Dumba entwarf Gustav Klimt die Dekoration eines Musiksalons bestehend aus den zwei Supraporten Die Musik sowie Schubert am Klavier. Wenn auch nur die Ölskizzen dazu im Original erhalten sind, so zeigen diese Klimts eindringliche Auseinandersetzung mit der internationalen Moderne.
Der bedeutende Auftraggeber, Schubert-Sammler und Mäzen Nicolaus Dumba verfolgte offensichtlich seinerzeit das Konzept, die Repräsentationsräume seines an der Wiener Ringstraße gelegenen Palais von den wichtigsten lebenden Malern Wiens ausstatten zu lassen. So hatte Hans Makart bereits in den 1870er Jahren das Arbeitszimmer gestaltet, das auch malerisch und fotografisch für die Nachwelt festgehalten wurde. Zwanzig Jahre später übertrug Dumba schließlich den beiden Künstlern Franz Matsch und Gustav Klimt die Gestaltung des Esszimmers sowie des Musikzimmers.
Der Auftrag an die beiden aufstrebenden Maler erging bereits 1893, wobei tatsächlich erst vier Jahre später mit der (architektonischen) Planung und Ausführung begonnen wurde. Zusätzlich zu den Gemälden plante Klimt nämlich auch Türen, Wandabwicklungen und die Decke zu gestalten. Hierzu sind heute sogar zwei Entwürfe (1897, Wien Museum, 1897, Privatbesitz) überliefert.
Den insgesamt sehr langen Entstehungsprozess der Supraporten für das Musikzimmer des Palais Dumba kommentierte der Klimt-Kritiker Karl Kraus in der Fackel jedenfalls später pointiert:
»Er [Nicolaus Dumba] hatte die Bilder für sein Musikzimmer bei Klimt bestellt, als dieser noch in der braven Art der Laufberger-Schule arbeitete und sich höchstens ein paar Makart’sche Extravaganzen gestattete. In der Zwischenzeit war aber dem Maler der Khnopff aufgegangen, und jetzt ist er, damit die Geschichte nicht ohne Pointe bleibt, Pointillist geworden. Und das muss natürlich der Besteller alles mitmachen. So ward [!] Herr von Dumba ein Moderner.«
Nicolaus Dumba in seinem Arbeitszimmer, um 1890
© Bildarchiv und Grafiksammlung, Österreichische Nationalbibliothek
Briefe von Gustav Klimt an Nicolaus Dumba in den Jahren 1896/97
Salon im Palais Dumba vermutlich vor der Umgestaltung zum Musiksalon, um 1890
© Wien Museum
Die Musik und Schubert am Klavier
In den beiden Gemälden, die 1897/98 bzw. 1899 ausgeführt wurden, wird die Hinwendung Klimts zum Symbolismus, zur Viktorianischen Malerei aber auch dem französisch-belgischen Postimpressionismus offenkundig.
In Die Musik ist im Vergleich zur Studie eine deutliche Klärung der Motive festzustellen. Die Kithara-Spielerin wendet sich nun aus dem Bild heraus. Sie stützt das Musikinstrument auf die niedrige Mauer, der ornamental gefüllte Hintergrund nimmt die gesamte Fläche ein. Zunehmend drängte Klimt diffus gemalte, postimpressionistische Elemente zurück, um flächig aufgefassten Partien Platz zu machen. Auch in Schubert am Klavier lässt sich diese Tendenz beobachten. Das Porträt des Komponisten wird in der verlorenen Ausführung von einer schwarzen Tür hinterfangen. Der Kerzenschein bringt zwar noch immer Reste von pointillistischer Malerei zur Geltung, doch begann Gustav Klimt während der Arbeit an diesen beiden Bildern in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre, einen originären Stil, den flächig organisierten Jugendstil, zu entwickeln.
Klimts Supraporten in der Kritik
Gustav Klimt präsentierte die Auftragswerke in der I. und IV. Ausstellung der Wiener Secession, die 1898 bzw. 1899 stattfanden. Während Die Musik medial kaum Erwähnung fand, wurde das Gemälde Schubert am Klavier 1899 von der Mehrheit der Kritiker bejubelt. Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr bezeichnete es sogar als »das schönste Bild, das jemals ein Österreicher gemalt hat«. Ein Journalist der Arbeiter-Zeitung setzte wiederum die beiden Supraporten auch in einen direkten Vergleich:
»Der koloristische Afford in beiden Bildern ist ganz verschieden. War das erste farbig, glänzend, kräftig, dekorativ=phantastisch, so ist dieses [Schubert am Klavier] tief im Ton, dämmrig und zart empfunden. Koloristisch hat sich der Maler seine Aufgabe keineswegs leicht gemacht. […] Das Bild ist im hohem Grade subjektiv empfunden, will isolirt [!] betrachtet sein und verlangt eine ungewöhnliche Vertiefung in die Absichten des Künstlers.«
»Schubert am Klavier« und »Die Musik«
Verbleib der Werke
Die Ausstattung des Palais Dumba ist im Gesamten heute nicht mehr erhalten. Ebenso die beiden Supraporten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in Schloss Immendorf verbrannt sein dürften. Diese wurden zuletzt 1943 im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Einen Eindruck der Werke geben heute daher nur noch Reproduktionen, einige zeitgenössische Fotografien und die beiden Entwürfe in Öl, die sich in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung München bzw. in Privatbesitz (Dauerleihgabe im Leopold Museum, Wien) befinden.
Literatur und Quellen
- Carl Schreder: Erste Kunstausstellung der Secession, in: Deutsches Volksblatt, 22.04.1898, S. 3.
- N. N.: Wiener Briefe, in: (Salzburger) Fremden-Zeitung, 02.04.1898, S. 4.
- Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band I, 1878–1903, Salzburg 1980, S. 101-103.
- Ludwig Hevesi: Das Heim eines Wiener Kunstfreundes (Nikolaus Dumba), in: Kunst und Kunsthandwerk. Monatsschrift des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 2. Jg., Heft 10 (1899), S. 341-365.
- Hermann Bahr: Secession, Wien 1900, S. 120-121.
- Arbeiter-Zeitung, 21.03.1899, S. 4-5.
- Agnes Husslein-Arco, Alexander Klee (Hg.): Klimt und die Ringstraße, Ausst.-Kat., Unteres Belvedere (Wien), 05.07.2015–11.10.2015, Wien 2015.