Im Fokus von Klimt-Werk stehen sämtliche Aspekte des Oeuvres des Jugendstilmeisters. Visualisiert durch eine Timeline, werden hier Klimts Schaffensperioden aufgerollt, beginnend von seiner Ausbildung, über seine Zusammenarbeit mit Franz Matsch und seinem Bruder Ernst in der »Künstler-Compagnie«, die Affäre um die Fakultätsbilder bis hin zu seinem Nachruhm und Mythos, der diesen Ausnahmekünstler noch heute umgibt.

1919 – 1945

Nachruhm und Mythos

Nach dem Tod Gustav Klimts bemühten sich seine Familie, Freunde und Bewunderer die Erinnerung an den Jahrhundertkünstler und sein künstlerisches Schaffen in vielerlei Hinsicht zu bewahren. Die Bedeutung und das Interesse an seinem Vermächtnis sollte auch in der Zeit des Nationalsozialismus noch einmal forciert werden.

6 Kapitel


Moriz Nähr: Gustav Klimts Werkstattraum in der Feldmühlgasse, vermutlich 1917, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Nachlass

Der Nachlass Gustav Klimts umfasste neben einer bescheidenen Geldrücklage zahlreiche unvollendete und unverkaufte Gemälde sowie unzählige Zeichnungen. Das Erbe wurde unter seinen vier Geschwistern, seiner Nichte Helene Donner, deren Tante Emilie Flöge und seinen unehelichen Kindern aufgeteilt.

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Todesfallanzeige von Gustav Klimt, 12.02.1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv
© WStLA

Er­in­ne­run­gen an Gustav Klimt

Nach Klimts Tod machten sich einige bedeutende Zeitgenossen zur Aufgabe das Leben und Wirken des Jahrhundertkünstlers schriftlich darzulegen. Neben den Monografien und Publikationen von Max Eisler, Emil Pirchan und Arthur Roessler ist in diesem Zusammenhang allen voran die sogenannte »Klimt-Chronik« von Georg Klimt von Bedeutung.

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Emil Pirchan: Gustav Klimt. Ein Künstler aus Wien, Wien - Leipzig 1942.
© Klimt-Foundation, Wien

Klimt Ge­dächt­nis­aus­stel­lung

Im Sommer 1928 fand anlässlich des zehnten Todestages von Gustav Klimt eine Ausstellung in den Räumlichkeiten der Wiener Secession statt. Diese initiierten und inszenierten einige seiner engsten künstlerischen Weggefährten – allen voran Carl Moll.

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Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession (Hg.): XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung, Ausst.-Kat., Secession (Wien), 27.06.1928–05.08.1928, Wien 1928.
© Klimt-Foundation, Wien

Schau im Aus­stel­lungs­haus Fried­rich­stra­ße

Im Frühjahr 1943, noch inmitten des Zweiten Weltkrieges, fand im Ausstellungshaus Friedrichstraße – ehemals Secession – eine große Klimt-Retrospektive statt. Die Ausstellung, die nachträglich zum 80. Geburtstag des Künstlers veranstaltet wurde, stand unter der Schirmherrschaft des Wiener Reichsstatthalters Baldur von Schirach.

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Plakat der Gustav Klimt-Gedächtnisausstellung, 1943, Privatbesitz
© Klimt-Foundation, Wien

Klimt-Sammler:innen – von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten verfolgt

Es ist nicht zuletzt dem Thema Restitution zuzuschreiben, dass jene Kunstsammler, die von den Nationalsozialisten verfolgt worden waren, heute in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich präsenter sind als andere Sammler. Jedoch befanden sich unter Klimts Sammlern und Sammlerinnen tatsächlich viele, die jüdischer Herkunft waren.

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Martin Gerlach jun.: Einblick in die Wohnung Serena und August Lederer, 1920er - 1930er, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Schloss Im­men­dorf

Im Mai 1945 ereignete sich einer der gravierendsten Verluste an Kulturgütern in Österreich. Als eine Folge des Zweiten Weltkrieges verbrannten auf Schloss Immendorf in Niederösterreich zumindest zehn Gemälde und zwei Kompositionsentwürfe Gustav Klimts, darunter Hauptwerke wie die drei Fakultätsbilder. Auch weitere Kunstgegenstände fielen dem Brand zum Opfer.

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Schloss Immendorf
© Klimt-Foundation, Wien

Nachruhm und Mythos

Nachlass

Moriz Nähr: Gustav Klimt vor seinem Atelier in der Feldmühlgasse, Mai 1917, Klimt-Foundation
© Klimt-Foundation, Wien

Der Nachlass Gustav Klimts umfasste neben einer bescheidenen Geldrücklage zahlreiche unvollendete und unverkaufte Gemälde sowie unzählige Zeichnungen. Das Erbe wurde unter seinen vier Geschwistern, seiner Nichte Helene Donner, deren Tante Emilie Flöge und seinen unehelichen Kindern aufgeteilt.

Klimt hinterließ nach seinem Tod kein opulentes Vermögen, wie es sein Status als international anerkannter Maler vermuten lassen würde. Der stets spendable Künstler hatte neben sich selbst, seinen zwei unverheirateten Schwestern, seiner Mutter, seiner Nichte und deren Mutter noch drei Frauen mit seinen insgesamt fünf unehelichen Kindern zu erhalten. Das und die finanzielle Notlage in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 hatten nicht zugelassen, dass sich Klimt große Rücklagen ansparen konnte. So verzeichnet die Todesfallanzeige nur Vermögen in Form von: »60.000 K[ronen], Zeichnungen u[nd]. einigen Bildern, Kleidung u[nd]. Wäsche«.

Die Rücklagen auf Klimts Sparkonto beim Bankhaus M. Gerstbauer betrugen also nur rund 33.330 Euro. Die Wohnung in der Westbahnstraße 36 und das Atelier in der Feldmühlgasse 9 (heute: Nr. 11) waren nur angemietet worden, gehörten also nicht zum vererbbaren Besitz. Von großem Wert waren demnach nur die unvollendeten Werke und jene Gemälde und Zeichnungen, die Klimt noch unverkauft in seinem Atelier zurückließ.

Neben Klimts vier noch lebenden Geschwistern: Georg, Hermine und Klara Klimt sowie Johanna Zimpel, wird in der Todesfallanzeige auch noch seine Nichte Helene Klimt jun. als rechtmäßige Erbin genannt. Als einzige Tochter von Klimts verstorbenem Bruder Ernst hatte sie Anspruch auf jenen Erbanteil der sonst ihrem Vater zugestanden wäre.

Galerie

Todesfallanzeige von Gustav Klimt

  • Todesfallanzeige von Gustav Klimt, 12.02.1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv
    © WStLA
  • Todesfallanzeige von Gustav Klimt, 12.02.1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv
    © WStLA
  • Todesfallanzeige von Gustav Klimt, 12.02.1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv
    © WStLA
  • Todesfallanzeige von Gustav Klimt, 12.02.1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv
    © WStLA

Die Stückelung des Erbes
Die genaue Aufteilung des Erbes ist nicht belegt. Leihgeberscheine – vor allem jene der großen Gedächtnisausstellungen 1928 und 1943 – Nachlasstempel, Autografen und Zeitgenossenberichte geben jedoch einen ungefähren Eindruck über die Verteilung des Vermächtnisses. Laut einer Aussage der Nichte des Künstlers war es Carl Moll, der die Zeichnungen unter den Geschwistern und Emilie Flöge – die eigentlich rechtlich kein Anrecht auf eine Beteiligung am Erbe hatte – aufteilte. Hauptverantwortlicher für die Erbangelegenheiten Gustav Klimts war jedoch der Jurist Dr. Otto Eckstein.

Bis auf wenige Einzelstücke wurden alle Gemälde aus dem Nachlass bereits 1919 verkauft und der Gewinn unter den Erben aufgeteilt. Klimts Angehörige dürften sich jedoch vereinzelte Stücke von persönlichem Wert ausgewählt und behalten haben. Dies würde erklären, warum keiner der Geschwister oder Mitglieder der Familie Flöge zu Lebzeiten eines dieser Werke veräußerte.

Klimts Korrespondenzen hingegen waren zum Großteil noch ungeöffnet nach dessen Tod vernichtet worden. Daher gibt es bis heute kaum Autografen, die an den Künstler adressiert sind.

Anna, Hermine und Klara Klimt in der Familienwohnung Westbahnstraße 36 (Detail), Klimt-Foundation, Wien
© Klimt-Foundation, Wien

Hermine und Klara Klimt
Aus zahlreichen Quellen geht hervor, dass die beiden Schwestern Hermine und Klara wohl einige Zeichnungen, das Gemälde ihrer Mutter Porträt Anna Klimt (1897/98, Verbleib unbekannt), drei kleinformatige Landschaftsbild Stiller Weiher (vermutlich 1881, Privatbesitz), Waldboden (1881/82, Klimt-Foundation, Wien) und Waldinneres (1881/82, Hida Takayama Museum of Art) sowie das von Ernst Klimt gemalte Porträt des Vaters erhielten. Außerdem übernahmen sie den Mietvertrag für die Wohnung in der Westbahnstraße und dürften das gesamte Mobiliar, darunter auch Stücke der Wiener Werkstätte, behalten haben. Während das Porträt der Mutter lange Zeit im Wohnzimmer der Familie über dem Esstisch hing, verkauften die beiden unverheirateten Frauen die meisten Zeichnungen ihres Bruders noch während der Inflation, um sich so über Wasser zu halten. Die Zeichnungen aus diesem Bestand sind auch heute noch gut durch den handschriftlichen Vermerk »Nachlass meines Bruders Gustav Hermine Klimt« zu erkennen. Hermine dürfte sowohl ihren, als auch den Erbanteil ihrer Schwester Klara verwaltet haben. Diese war bereits seit Jahren psychisch krank und daher vermutlich nicht in der Lage ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln.

70. Geburtstag von Anna Klimt mit ihrer Familie, 27.01.1906, ARGE Sammlung Gustav Klimt, Dauerleihgabe im Leopold Museum, Wien: Johanna Zimpel mit ihren Kindern bei der 70. Geburtstagsfeier ihrer Mutter, 1906
© Leopold Museum, Wien

Johanna Zimpel
Die jüngste Schwester von Gustav Klimt erbte ebenfalls überwiegend Zeichnungen. Gemälde kamen nur wenige in ihren Besitz. Es handelte sich um kleinformatige Ölskizzen aus der frühen Schulzeit: Männerakt nach rechts (um 1883, Privatbesitz) und einige Döschen mit Miniaturen auf Elfenbein. Zudem erhielt Johanna einen Großteil der persönlichen Gegenstände ihres Bruders, wie ein Petschaft, Zeugnisse, Fotografien und exotische Kunstobjekte aus dem Atelier des Künstlers, darunter eine große rot-schwarze Samurai-Rüstung. Nach dem Tod der beiden Schwestern 1938, ging außerdem das Porträt Anna Klimt in ihren Besitz über, das fortan im Wohnzimmer der Wohnung in der Mollardgasse hing.

Johannas Söhne interessierten sich ebenfalls für die Verlassenschaft ihres Onkels. Besonders ihr zweitältester, Rudolf Zimpel, übernahm bereits zu Johannas Lebzeiten einen Großteil des Erbes, beschriftete und verkaufte Teile der Sammlung. Vorwiegend auf Zeichnungen sowie auf dem Männerakt finden sich daher die Stempel »Nachlass Gustav Klimt Sammlung R. Zimpel« und seltener »JOHANNA ZIMPEL« sowie der handschriftliche Vermerk »Nachlaß Gustav Klimt Zimpel Gustav«. Die eingangs erwähnte Samurai-Rüstung verkaufte Rudolf 1945 an die Böhlerwerke in Kapfenberg.

Georg Klimt
© Leopold Museum, Wien

Georg Klimt
Gustavs Bruder Georg erbte, soweit es heute beurteilt werden kann, ausschließlich die Ateliermöbel seines Bruders, die er ab diesem Zeitpunkt in seinem eigenen Atelier in der Neulinggasse benutzte, sowie mehrere Zeichnungen. Darunter befand sich auch jene Kreidezeichnung, die angeblich die bereits als Kind verstorbene jüngste Klimt Schwester Anna darstellt und diverse naturalistische Köpfe die den Titel »Die schöne Wienerin« trugen und eventuell zu einem bisher nicht aufgefundenen Mappenwerk gehörten. Sowohl Georg als auch seine Frau Franziska bescheinigten bei Verkauf die Echtheit der Blätter mit den handgeschriebenen Zeilen: »Von Gustav Klimt gezeichnet Georg Klimt« und »Zeichnungen Gustav Klimt bestätigt Franziska Klimt«. Nach dem Tod Georgs 1931 erbte Franziska alle Blätter ihres Schwagers. Immer wieder verkaufte sie diese aufgrund von Geldnot, war jedoch nicht bereit einen gewissen Preis zu unterschreiten. So schrieb sie im Dezember 1934 an den Sekretär des Künstlerhauses:

»Wäre es nicht möglich mir eine [...] bescheidene Geldaushilfe zukom[m]en zu lassen. Ich möchte gerne hiefür [!], wenn angenehm, eine Zeichnung von Gustav Klimt geben, die wenn Käufer kämen, das Stück ausgesucht, unter S[chilling] 100. [Anm.: ca. 560 Euro] nicht verkaufen dürfte.«

Alle Zeichnungen die Georgs Witwe zu Lebzeiten nicht veräußerte, vermachte sie dem Historischen Museum der Stadt Wien (heute: Wien Museum).

Helene Klimt mit ihrer Cousine Gertrude Flöge am Attersee im Ruderboot, um 1912, Klimt-Foundation, Wien
© Klimt-Foundation, Wien

Helene »Lentschi« Klimt
Die Rolle von Helene Klimt im Leben Gustav Klimts reichte in der Realität weit über die einer Nichte heraus. Klimt hatte seinerseits für Helene – liebevoll auch »Lentschi« genannt – als Kleinkind die Vormundschaft übernommen. Daher hatte er stets mehr eine Vaterrolle für die Halbwaise bekleidet als die eines Onkels. Auch von den Zeitgenossen wurde diese Bindung so empfunden, bezeichnete sie doch ein schlecht informierter Journalist 1912 in seiner Berichterstattung als »Fräulein Klimt – die Tochter des Malers Gustav Klimt«.

Die Bestimmung ihres Anteils am Nachlass gestaltet sich als besonders schwierig, da sie gemeinsam mit ihrer Tante Emilie in einer Wohnung lebte. Es ist also kaum abzuschätzen, welcher Teil des Erbes Emilie und welcher Teil Helene zugekommen war. Zudem hatte Emilie vermutlich zeitweise auch die Verwaltung des Erbanteils der erst seit wenigen Jahren volljährigen Helene mitübernommen.

Einige Ölgemälde können jedoch zweifelsfrei dem Besitz von Helene Donner, geb. Klimt, zugeordnet werden. Neben ihrem Porträt als junges Mädchen, welches ihre Mutter schon zu Klimts Lebzeiten besessen hatte, erhielt sie aus dem Nachlass mindestens ein Gemälde. Die Landschaft Birke am Attersee (Stilles Wasser) (1901, Verbleib unbekannt) wird in den Gedächtnisausstellungen 1928 und 1943 eindeutig als ihr Besitz ausgewiesen.

Spätestens nach dem Tod ihrer Tante Emilie 1952 verfügte Helene über den gesamten Nachlass im Besitz der Familie Flöge. Dieser war jedoch erheblich geschmälert worden, nachdem ein Großteil dessen 1945 im Zuge eines Brandes vernichtet worden war.

Emilie Flöge und Gustav Klimt im Garten der Villa Oleander, Sommer 1910, Sammlung Villa Paulick, courtesy Klimt-Foundation, Wien
© Klimt-Foundation, Wien

Das Erbe der »Ewigen Braut«
Schon vor der endgültigen Abhandlung der Verlassenschaft dürfte es für die Zeitgenossen Klimts klar gewesen sein, dass seine langjährige Wegbegleiterin Emilie Flöge eine der Haupterben sein sollte. So riet beispielsweise Josef Hoffmann dem Sekretär des Hagenbundes Josef Krzizek bereits am 13. Februar 1918 er solle das Geld aus Zeichnungsverkäufen des verstorbenen Künstlers am besten an Emilie Flöge senden.

Obwohl Emilie rechtlich überhaupt nicht zur engeren Familie zählte, wurde sie von ihrem Umfeld als engste Bezugsperson von Gustav Klimt angesehen. Ihre Rolle ging inoffiziell stets über die einer Schwippschwägerin hinaus. Otto Wagner äußerte sich am 8. Februar 1918 über die für die damalige Zeit unverständlich Beziehung zwischen Klimt und Emilie:

»Der Mirl, (Klimts ewiger Braut) schrieb ich heute einen sehr schönen Brief. Ich finde es von Klimt direkt verabscheuungswürdig, daß er sie nicht heiratete. Ich kenne mich in dem Verhältnis überhaupt nicht aus. Wir waren doch vor 6 bis 7 Jahren zusammen in Gastein und glaubten immer, endlich gehts los.«

Tatsächlich wird Emilie jedoch nicht in der Verlassenschaft als erbberechtigt angeführt. Allein rechtlich wäre sie hierzu auch nicht befugt gewesen. Dokumente belegen jedoch, dass sich bedeutende Gemälde aus dem Nachlass in ihrem Besitz befanden. Ob Emilie nachträglich noch einen Anspruch auf die Erbschaft gestellt hatte oder ob ihre Nichte ihren Erbanteil informell mit ihrer Tante geteilt hatte, kann leider heute nicht mehr eruiert werden.

Jedenfalls besaß Emilie neben einigen Werken, die ihr der Künstler bereits zu Lebzeiten vermacht hatte wie Obstgarten (um 1898, Leopold Museum, Wien) und Porträt Pauline Flöge am Totenbett (1917, 1945 in Wien verbrannt) auch Gemälde aus dem Nachlass. Nachweisbar gehörte ihr Der schwarze Stier (1900, Privatbesitz), Birnbaum (1903, Harvard Art Museums/Busch-Reisinger Museum, Cambridge) sowie seine letzte große Allegorie Die Braut (1917/18, Klimt-Foundation). Vermutlich sahen es viele der Zeitgenossen als passend an, dass Emilie – die von Bekannten öfters mit Grillparzers ewiger Verlobter Kathi Fröhlich verglichen und als »ewige Braut« des Künstlers bezeichnet wurde – eine Allegorie auf die Braut als letztes Andenken erhalten sollte.

Galerie

  • Gustav Klimt: Obstgarten, um 1898, Privatbesitz
    © Leopold Museum, Wien
  • Gustav Klimt: Der schwarze Stier, 1900, Privatbesitz
    © Leopold Museum, Wien
  • Gustav Klimt: Birnbaum, 1903, Harvard Art Museums/Busch-Reisinger Museum, Cambridge, Gift of Otto Kallir
    © President and Fellows of Harvard College
  • Gustav Klimt: Die Braut, 1917/18, Klimt-Foundation
    © Klimt-Foundation, Wien

Zudem besaß sie eine große Menge an Zeichnungen, die sie über die Jahre immer wieder an Ausstellungen verlieh sowie über den Kunsthandel verkaufte. Auch den Mietvertrag der letzten Werkstatt des Künstlers in Hietzing hatte sie übernommen. Egon Schiele, der sich um den Ankauf des Ateliers seines verehrten Vorbildes bemühte, erfuhr von Felix Harta, dessen Schwiegermutter das Gebäude vermietete:

»[...] dass das Klimthaus bis Februar 1919 an die Erben Klimts vermietet ist. Sie [Anm.: Hartas Schwiegermutter] hätte Fräulein Flöge die Zusage gemacht, sie in keiner Weise zum Verlassen des Hauses zu drängen, bez[iehungsweise] sie nicht zu kündigen«.

Es war auch Emilie Flöge, die noch im Februar des genannten Jahres die Aufkündigung des Vertrags unterzeichnete. Während die dortigen Wiener Werkstätte Möbel an Georg Klimt gegangen waren, befand sich der Großteil der asiatischen Sammlung Klimts, inklusive Kimonos, Vasen und Rollbilder von da an im Besitz der Flöge-Familie. Emilie bewahrte diese Sachen, laut einem zeitgenössischen Bericht, in den Wohnräumen der Casa Piccola in einem schreingleichen Zimmer auf, welches auch das »Klimtzimmer« genannt wurde. Die exotischen Gewänder wurden regelmäßig gelüftet, die Zeichnungen waren dort in Mappen und Schubladen gelagert, darunter auch Skizzen für die Zwickel des k. k. Kunsthistorischen Museums. Nach der Schließung des Modesalons 1938 übersiedelte die Familie in die Ungargasse 39 im 3. Wiener Gemeindebezirk. Der Klimt-Nachlass im Besitz der Familie Flöge verbrannte 1945, als die dortige Wohnung im Kriegsgeschehen zerstört wurde. Alles, was Emilie und Helene nicht in den Kriegsjahren an den Attersee mitgenommen hatten, war somit für die Nachwelt verloren.

Moriz Nähr: Gustav Klimt mit Katze vor seinem Atelier in der Josefstädter Straße, Mai 1911, Klimt-Foundation
© Klimt-Foundation, Wien

Nachlassaustellung bei Gustav Nebehay
Vermutlich um Streitigkeiten in Bezug auf die Wertigkeit einzelner Gemälde zu vermeiden und eine gerechte Aufteilung des Nachlasses zu erwirken, entschieden sich die Klimt-Erben dazu eine Verkaufsausstellung der restlichen Verlassenschaft zu veranstalten. Familie und Angehörige wendeten sich dafür an den Kunsthändler Gustav Nebehay. Dieser war mit Klimt bekannt gewesen und sammelte auch selbst Werke des befreundeten Malers.

Am 6. Februar 1919 eröffnete unter dem Titel »Gedächtnis = Ausstellung Gustav Klimt« eine Schau mit dem Ziel den Nachlass des Künstlers so gut wie möglich zu verkaufen. Neben rund 20 Gemälden, wurden auch etliche Zeichnungen sowie die asiatische Kunstsammlung und die Bibliothek Klimts angeboten. Die Werke wurden mit einem Stempel »GUSTAV KLIMT NACHLASS« gekennzeichnet. Klimts letzte große Gemälde, darunter Baby (1917/18, National Gallery of Art, Washington), Gastein (1917, verbrannt auf Schloss Immendorf 1945) sowie die unvollendeten Werke Adam und Eva (1916–18, Belvedere, Wien), Dame in Weiß (1917/18, Belvedere, Wien) und Gartenlandschaft mit Bergkuppe (Pfarrgarten) (1916, Kunsthaus Zug) wurden zu enormen Preisen verkauft. Der Marktwert der teilweise unvollendeten Werke überstieg laut Zeitungsberichten jenen zu Klimts Lebzeiten um ein Vielfaches:

»[…] die Einzelpreise dieser Fragmente und Ruinen überstiegen die Summe, um die man vor wenig mehr als Jahresfrist vollgültige Werke im Atelier des Meister erwerben konnte, um das Fünf- bis Sechsfache, der Gesamterlös ist wahrscheinlich nicht viel kleiner als was Klimt zeitlebens für seine Arbeiten verdient hat. All dies ist im Interesse seiner in dürftigen Umständen zurückgeblieben Erben überaus erfreulich.«

Einblick in die Gustav-Klimt-Gedächtnisausstellung, Februar 1919 - März 1919
© Klimt-Foundation, Wien

Käufer waren allen voran die bereits etablierten Klimt-Sammler, die Familien Lederer und Primavesi sowie Sonja Knips. Wie genau der Erlös unter den Erben aufgeteilt wurde ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass auch nach dem Ende der Ausstellung die Zusammenarbeit mit Gustav Nebehay nicht beendet war. Am 10. März 1919 schrieb Emilie Flöge an Georg Klimt:

»Herr Nebehay schreibt mir, dass er die Ausstellung geschlossen hat, und er möchte mir, ehe er die nicht verkauften Sachen zurück schickt, folgenden Vorschlag machen. Er würde ca. 300 Stück Zeichnungen aller Qualitäten zurück behalten, und sie weiterhin für die Erben Klimts verkaufen. [...] Bitte mir mitzuteilen, ob Du damit einverstanden bist und vielleicht könntest Du Dich auch mit Deinen Schwestern darüber besprechen, und mir Deinen Entschluss bald bekannt geben.«

Maria Ucicka mit ihrem Sohn Gustav Ucicky (Detail), um 1900, Klimt-Foundation, Wien
© Klimt-Foundation, Wien

Maria Zimmermann mit ihrem Sohn Gustav Zimmermann (Detail), um 1905, Klimt-Foundation, Wien
© Klimt-Foundation, Wien

Consuela Huber, Klimt-Foundation, Wien
© Klimt-Foundation, Wien

Dieses Schreiben belegt auch, dass sowohl die Klimt Geschwister, als auch die Familie Flöge an dem Verkauf des Erbes mitgewirkt und sich geschlossen an Nebehay gewandt hatten.

Uneheliche Kinder und Erbstreitereien
Obwohl die Erbfolge auf den ersten Blick gut geregelt scheint, stellte sich der Prozess jedoch anscheinend schwieriger heraus als gedacht. Julius Zimpel – der Sohn von Gustavs jüngster Schwester Johanna – schrieb im November 1918, also neun Monate nach dem Tod des Künstlers:

»Die Ordnung der Verlassenschaft meines Onkels brachte eine Kette von Unannehmlichkeiten und Prozessen, wer weiß das, wie lange sich das noch hinauszieht.«

Mit diesen Zeilen bezieht sich Julius Zimpel vermutlich auf den Rechtsstreit um den Erbanteil von Gustav Klimts unehelichen Kindern.

Familien Zimmermann, Ucicky und Huber
Obwohl in der Todesfallanzeige keinerlei Nachkommen – außerehelich oder nicht – angeführt werden, gab es drei Mütter, die Anspruch auf einen Teil des Erbes für ihre Söhne erhoben. Sowohl Gustav Zimmermann, Gustav Ucicky, als auch Gustav und Wilhelm Huber waren in der Tat uneheliche Kinder Klimts, für die er Zeit seines Lebens auch regelmäßig Alimente gezahlt hatte. Vermutlich hatten sich die drei Mütter – Consuela Huber, Marie Zimmermann und Maria Ucicky – gemeldet, als in der Wiener Zeitung am 13. März 1918 das erste Mal gefordert wurde, man möge seine Ansprüche an der Verlassenschaft Gustav Klimts bis zum 6. Mai beim Bezirksgericht Neubau geltend machen und belegen. In den folgenden Monaten kam es zu einem Tauziehen um Vaterschaftsnachweise, Ansprüche und Auszahlungssummen. Mehrere Briefe von Maria Zimmermann und Maria Ucicky an diverse Anwälte belegen, dass sich der Prozess der Geltungsmachung eines Erbanspruches für ein uneheliches Kind als äußerst schwierig erwies und die Einschaltung eines eigenen Anwaltes erforderte.

Im Juni 1919 hatte der Vormund Gustav Zimmermanns, Rudolf Eigner, für diesen 10.000 Kronen (ca. 2.000 Euro) beansprucht. Maria Zimmermann hatte bereits zuvor zum Beleg der Vaterschaft Gustav Klimts ihre persönlichen Briefe an ihren Rechtsanwalt geschickt. Am 29. Oktober 1919, also über ein Jahr nach dem Tod des Künstlers, wurden den beiden Huber Kindern (6 und 2 ½ Jahre alt) jeweils 5.000 Kronen  – also kaum 1.000 Euro – zugesprochen. Gustav Ucicky, der bereits 20 Jahre alt war, aber aufgrund der damaligen Gesetzeslage bis zu seinem 21. Lebensjahr noch als minderjährig galt, erhielt nur 4.000 Kronen, also knappe 850 Euro. Derselbe Betrag wurde auch dem gleichaltrigen Gustav Zimmermann angeboten. Mehr, so die Aussage Dr. Ecksteins, könnten die Erben nicht abtreten. Das Angebot sollte bis 10. November bestehen bleiben. Erst im Dezember 1919 konnte die Angelegenheit schlussendlich final geregelt werden. Gustav Zimmermann erhielt 5.000 Kronen, also knapp 1.000 Kronen mehr als ihm ursprünglich zugesagt worden waren, aber nur die Hälfte von dem, was er sich ursprünglich erwartet hatte.

In Anbetracht der enormen Summen, die die Familien Flöge und Klimt aus den Verkäufen der Nachlassausstellung erhalten haben müssen, scheinen diese geringen Beträge eine magere Abspeise. Das Anrecht der außerehelichen Kinder belief sich jedoch tatsächlich nur auf einen anteiligen »Versorgungsbetrag« und das Erbe ging daher über Geldbeträge nicht hinaus. Niemand von ihnen erhielt Zeichnungen, geschweige denn ein Gemälde aus der Verlassenschaft. Gustav Ucicky sollte diesen Umstand später ausgleichen, indem er sich zusehends bemühte Werke seines Vaters anzukaufen.

Literatur und Quellen

  • Brief von Otto Kiebacher in Wien an Maria Zimmermann in Wien (19.12.1919). S64/262.
  • Brief von Otto Kiebacher in Wien an Maria Zimmermann in Wien (29.10.1919).
  • Aufkündigung des Mietvertrages für das Atelier Feldmühlgasse durch Emilie Flöge (vor Mai 1919).
  • Ausstellungsanmeldung von Emilie Flöge für „Die Braut“ anlässlich der VI. Kunstschau des Bundes Österreichischer Künstler im Künstlerhaus 1925 (09.04.1925). Mappe Gustav Klimt, Künstlerhaus-Archiv, Wien.
  • Empfangsbestätigung der Österreichischen Galerie Belvedere an Emilie Flöge (13.03.1943).
  • Brief von Josef Krzizek an Emilie Flöge in Wien (13.02.1918).
  • Brief von Emilie Flöge in Wien an Georg Klimt (10.03.1919). S 104.
  • Brief von Julius Zimpel jun. in Wien an Theodor Petermichel (06.11.1918). S499/4.
  • Brief mit Kuvert von Felix Albrecht Harta in Salzburg an Egon Schiele in Wien (01.10.1918). ESA345.
  • Sandra Tretter, Peter Weinhäupl (Hg.): Gustav Klimt. Emilie Flöge. Reform der Mode. Inspiration der Kunst, Wien 2016.
  • Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession (Hg.): XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung, Ausst.-Kat., Secession (Wien), 27.06.1928–05.08.1928, Wien 1928.
  • Christian M. Nebehay (Hg.): Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969.
  • Emil Pirchan: Gustav Klimt, Wien 1956.
  • Sandra Tretter, Peter Weinhäupl (Hg.): Chiffre: Sehnsucht – 25. Gustav Klimts Korrespondenz an Maria Ucicka 1899–1916, Wien 2014.
  • Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band I, 1878-1903, Salzburg 1980.
  • Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band IV, 1878-1918, Salzburg 1989.
  • N. N.: Gustav Klimt und Emilie Flöge III. Erinnerungen an Emilie Flöge, in: Alte und moderne Kunst. Österreichische Zeitschrift für Kunst, Kunsthandwerk und Wohnkultur, Heft 190/191 (1983), S. 57.
  • Rose Poor Lima: Besuch bei Hermine und Klara Klimt, in: Wiener Zeitung, 22.10.1933, S. 14-15.
  • Münchner neueste Nachrichten: Wirtschaftsblatt, alpine und Sport-Zeitung, Theater- und Kunst-Chronik. Morgen-Ausgabe, 28.03.1919, S. 1.
  • Bertha Zuckerkandl: Gedächtnis=Ausstellung, in: Wiener Allgemeine Zeitung, 06.02.1919, S. 2-3.
  • N. N.: Gedächtnisausstellung Gustav Klimt, in: Die Frau, 26.02.1919, S. 5.
  • N. N.: Beilage, in: Die bildenden Künste. Wiener Monatshefte, II. Jg. (1919), S. VII.

Erinnerungen an Gustav Klimt

Max Eisler: Gustav Klimt, Wien 1920.
© Klimt-Foundation, Wien

Arthur Roessler: In Memoriam Gustav Klimt, Wien 1926.
© Klimt-Foundation, Wien

Emil Pirchan: Gustav Klimt. Ein Künstler aus Wien, Wien - Leipzig 1942.
© Klimt-Foundation, Wien

Georg Klimt: Chronik über das Leben der Familie Klimt, undatiert, Klimt-Foundation
© Klimt-Foundation, Wien

Nach Klimts Tod machten sich einige bedeutende Zeitgenossen zur Aufgabe das Leben und Wirken des Jahrhundertkünstlers schriftlich darzulegen. Neben den Monografien und Publikationen von Max Eisler, Emil Pirchan und Arthur Roessler ist in diesem Zusammenhang allen voran die sogenannte »Klimt-Chronik« von Georg Klimt von Bedeutung.

Max Eislers »Gustav Klimt«
Der österreichische Kunsthistoriker und Dozent Max Eisler widmete Gustav Klimt als Erster eine umfangreiche Monografie, die 1920 im Verlag und Druck der Österreichischen Staatsdruckerei erschien. Diese wurde schon im Frühjahr 1919 angekündigt. Die Zeit berichtete dazu am 19. April 1919:

»Die deutschösterreichische Staatsdruckerei beabsichtigt im Herbst 1919 eine gediegene und vornehm ausgestattete Veröffentlichung über Gustav Klimt mit etwa 50 Blatt Text und 25 Tafeln in Quartformat, davon drei Farbenlichtdrucke, nach Handzeichnungen und Gemälden des Meisters. Den Text und die Bilderauswahl besorgt Universitätsdozent Dr. Max Eisler.«

Laut jener Pressemitteilung war eine einmalige und handschriftlich nummerierte Vorzugsausgabe geplant, die mit 90 Kronen veranschlagt wurde. Die Kosten sollten nach einer Subskriptionsfrist noch einmal deutlich erhöht werden. Final umfasste die Auflage schließlich 500 Exemplare, die entgegen der Ankündigung aber mit über 30 Bildtafeln versehen waren. Die ersten fünfzig Ausgaben wiesen einen Ledereinband mit Goldprägung und die übrigen einen Pappband mit Goldprägung auf.

Eislers Monografie dürfte – einer Rezension der Wiener Zeitung zufolge – auch Ende des Jahres 1920 im Rahmen einer kleinen Buchausstellung, die im »Ver Sacrum-Zimmer« der Wiener Secession stattfand, der breiten Öffentlichkeit präsentiert worden sein. Der Journalist Rudolf Holzer beurteilte in besagtem Bericht die Publikation über Gustav Klimt wie folgt:

»Es sei gleich gesagt: Hier handelt es sich nicht bloß um ein kostbares Buch; es ist damit die erste kunstkritische Darstellung des Gesamtwerkes Gustav Klimts entwickelt.«

1931 veröffentlichte Max Eisler erneut eine Werkschau über Gustav Klimt mit dem Mappenwerk Gustav Klimt. Eine Nachlese. Die Edition sollte wieder in einer limitierten Auflage, aber dieses Mal auf Deutsch, Englisch und Französisch erscheinen.

In memoriam Gustav Klimt
Die kleinformatige Publikation In memoriam Gustav Klimt wurde 1926 vom Atelier Officina Vindobonensis in geringer Auflage und im Auftrag des österreichischen Werkbundes auf hochwertigem Papier gedruckt. Als Autor des insgesamt nur wenige Seiten umfassenden Werkes fungierte der österreichischen Schriftsteller Arthur Roessler. Dieser thematisierte darin Klimts größte »Skandalbilder« wie Nuda Veritas (1899, Theatermuseum, Wien) oder auch die drei Fakultätsbilder. Die Basis für die Publikation bildete vermutlich ein journalistischer Beitrag Roesslers, der teilweise auf Aussagen Ludwig Hevesis basierte und anlässlich Klimts Tod in der Arbeiter-Zeitung am 10. Februar 1918 veröffentlicht wurde. Es ist anzunehmen, dass ebenso ein Vortrag über Gustav Klimt, den Roessler 1925 im Volksbildungshaus der Wiener Urania hielt, als Vorlage für In memoriam Gustav Klimt fungierte.

Gustav Klimt – Ein Künstler aus Wien
Während des Zweiten Weltkriegs erschien 1942 die vom Universalkünstler Emil Pirchan verfasste Biografie Gustav Klimt. Ein Künstler aus Wien, die im Jahr 1956 noch einmal mit einigen Ergänzungen neu aufgelegt werden sollte. Während Eisler in seiner Klimt-Monografie den Fokus auf eine kunsthistorische Beschreibung des Werdegangs des Malers legt, vermittelt Pirchan in seiner reichlich illustrierten Publikation biografische Details, die aber mehrheitlich als Anekdoten wiedergegeben werden. Die Biografie selbst beruht laut Pirchans eigener Aussage allen voran auf Erinnerungen, Hinweisen und Mitteilungen von Rudolf Bacher, Emilie Flöge, Josef Hoffmann, Georg Klimts Witwe Franziska Klimt, Moriz Nähr, Carl Moll, Michael Powolny, Mäda Primavesi, Klimts unehelichem Sohn Gustav Ucicky und Klimts Schwester Johanna Zimpel.

Das Leben des Gustav Klimt und seiner Familie
Das Leben und Wirken Gustav Klimts hielt auch sein Bruder Georg Klimt rückblickend in der sogenannten »Klimt-Chronik« (Klimt-Foundation, Wien) fest. Dieses umfangreiche Schriftwerk, das auch zahlreiche Fotografien und Autografen enthält, ist in Schönschrift verfasst und verfügt über einen eigens gestalteten Einbanddeckel, der mit Ornamenten aus Eisen verziert ist. Über den konkreten Beweggrund zur Erstellung gab der Journalist Leopold Wolfgang Rochowanski 1929 anlässlich eines Besuches in Georg Klimts Künstleratelier Auskunft:

»Georg Klimt ist vor allem bestrebt, alle falschen Angaben, alle Verdrehungen, die sich verbreitet haben, die vielen kleinen und größeren Irrtümer in Büchern und Aufsätzen über seinen Bruder richtzustellen [!], die Wahrheit festzuhalten. […] Er ist seit langem damit beschäftigt, über alle seine Erinnerungen Aufzeichnungen zu machen.«

Die Chronik, die Georg Klimt seinerzeit der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich machen wollte, gelangte nach dessen Tod 1931 in den Besitz seiner Frau Franziska »Fanny« Klimt. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang allen voran ein Zeitungsartikel vom 30. Juni 1942 aus der Kleinen Volks-Zeitung, wo erwähnt wird, dass Georg Klimts Witwe »zwei dicke Erinnerungsbücher« besaß, die Georg Klimt erstellte. Diese einmalige Aussage über einen zweiten Chronik-Teil konnte aber bislang von der Forschung nicht verifiziert werden.

Literatur und Quellen

  • Max Eisler: Gustav Klimt, Wien 1920.
  • Max Eisler (Hg.): Gustav Klimt. Eine Nachlese, Wien 1931.
  • Emil Pirchan: Gustav Klimt. Ein Künstler aus Wien, Wien - Leipzig 1942.
  • Emil Pirchan: Gustav Klimt, Wien 1956.
  • Arthur Roessler: In Memoriam Gustav Klimt, Wien 1926.
  • Neues Wiener Journal, 13.01.1929, S. 18-19.
  • Chronik über das Leben der Familie Klimt, "DAS LEBEN DES GUSTAV KLIMT UND SEINER FAMILIE" (undatiert). S16/1.
  • Neues Wiener Tagblatt. (Tagesausgabe), 26.07.1942, S. 3.
  • Neue Freie Presse. (Morgenblatt), 29.12.1920, S. 8.
  • Wiener Zeitung, 28.11.1920, S. 2-4.
  • Neues Wiener Journal, 08.12.1925, S. 19.
  • Kleine Volks-Zeitung, 30.06.1942, S. 5.
  • Belvedere. llustrierte Zeitschrift für Kunstsammler, Band 8 (1925).
  • Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers, XIII. Jg., Heft 18 (1921), S. 533.
  • Die Zeit, 19.04.1919, S. 6.

Klimt Gedächtnisausstellung

Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession (Hg.): XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung, Ausst.-Kat., Secession (Wien), 27.06.1928–05.08.1928, Wien 1928.
© Klimt-Foundation, Wien

Im Sommer 1928 fand anlässlich des zehnten Todestages von Gustav Klimt eine Ausstellung in den Räumlichkeiten der Wiener Secession statt. Diese initiierten und inszenierten einige seiner engsten künstlerischen Weggefährten – allen voran Carl Moll.  

1928 – zehn Jahre nach Klimts Tod – regten langjährige Freunde und Bewunderer des Malers eine große Gedächtnisausstellung an. Sie wollten dadurch »öffentlich seiner gedenken und mit seinen Werken seinen reinen Künstlersinn, seine Eigenart, seinen unerhörten Geschmack, sein überlegenes Können in Erinnerung bringen […]«, so Carl Moll. Das Ausstellungskomitee konstituierte sich aus insgesamt neun namhaften Persönlichkeiten der damaligen Wiener Kunst-, Kultur- und Politikszene – darunter befanden sich unter anderem Anton Hanak, Josef Hoffmann, Berta Zuckerkandl und Carl Moll, der zugleich auch die Hängekommission leiten sollte. Den Vorsitz übernahm der Wiener Stadtrat Julius Tandler.

»Schatzhaus voll malerischer Juwelen«
Am 27. Juni 1928 eröffnete offiziell die »XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt Gedächtnis-Ausstellung«. Sie endete am 5. August 1928 – laut einem Bericht der Arbeiter-Zeitung fünf Tage später als ursprünglich geplant – mit ihrer Finissage.

Es gelang für die Ausstellung insgesamt über 75 Werke – darunter auch die drei umstrittenen Fakultätsbilder – und zahlreiche Handzeichnungen zusammenzutragen, die in sieben Ausstellungssälen der Wiener Secession präsentiert wurden. Neben der »Klimt Kollektive« von 1903 galt somit die »Klimt-Gedächtnisausstellung« als bislang umfangreichste, öffentliche Präsentation von Gustav Klimts künstlerischem Œuvre an einem Ort. Hans Ankwicz-Kleehoven, damaliger Kunstreferent der Wiener Zeitung, schrieb am 8. Juli 1928 in diesem Zusammenhang, dass der Besucher aufgrund dieser einmalig gebotenen Vielfalt das Gefühl hat »[…] in einem Schatzhaus voll malerischer Juwelen zu weilen, von lauter Kleinodien der Kunst umgeben zu sein, wie sie köstlicher in Wien nie geschaffen wurden.«

Julius Scherb (?): Einblick in die Gedächtnisausstellung 1928, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Die Mehrheit der ausgestellten Werke stellten Privatsammler, wie der Industrielle Ferdinand Bloch-Bauer oder auch Klimts Nichte Helene Donner, zur Verfügung. Einzelne Leihgeber nutzten die Veranstaltung zugleich auch als Verkaufsplattform. Laut dem Ausstellungskatalog standen unter anderem Blühender Mohn (1907, Belvedere, Wien) und das Porträt Mäda Primavesi (1913, The Metropolitan Museum of Art, New York) offiziell zum Verkauf.

Fotografische Dokumentation 
Hans Ankwicz-Kleehoven bedauerte in seinem mehrseitigen Artikel vor allem, dass aufgrund von Zeitmangel und hohen Produktionskosten nicht die einmalige Gelegenheit genutzt werden konnte, alle Gemälde, die zum ersten Mal gezeigt wurden, für den Ausstellungskatalog zu fotografieren. Moriz Nähr dokumentierte – wahrscheinlich im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen – jedoch nachweislich einzelne Werke von Gustav Klimt fotografisch, darunter die Spätwerke Porträt Charlotte Pulitzer (1917, Verbleib unbekannt, seit Kriegsende 1945 verschollen) und Forsthaus in Weissenbach am Attersee II (1914, Neue Galerie New York, Estée Lauder Collection). Diese Fotografien fanden drei Jahre später auch im Mappenwerk Gustav Klimt. Eine Nachlese von Max Eisler Verwendung.

Galerie

Werkfotografien von Moriz Nähr

  • Moriz Nähr: Die Musik, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Adam und Eva, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Tod und Leben (Tod und Liebe), Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Porträt Charlotte Pulitzer, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Allee vor Schloss Kammer am Attersee, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Schloss Kammer am Attersee IV, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Forsthaus in Weissenbach am Attersee, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
  • Moriz Nähr: Malcesine am Gardasee, Juni 1928 - August 1928, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung, aus dem Nachlass von Moriz Nähr
    © Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Pressestimmen 
Über die »Klimt-Gedächtnisausstellung« berichteten nur einige wenige Tageszeitungen sowie Kunst- und Kulturzeitschriften. Darunter befanden sich auch kritische Pressestimmen zu Klimts künstlerischem Œuvre. So schrieb am 2. Juli 1928 die Reichspost:

»Restlose Anerkennung und Bewunderung verdienen sein technisches Können, sein so kultivierter farbiger Geschmack und die wundervolle Eleganz seiner zeichnerischen Meisterschaft. Aber mit erschreckender Deutlichkeit tritt auch der Schatten seiner künstlerischen Eigenart in Erscheinung. Klimts Kunst der späteren Jahre hat etwas übertrieben Sensitives, einen geradezu krankhaften Einschlag […]«.

Positive Rezensionen veröffentlichten hingegen die österreichische Arbeiter-Zeitung oder die Neue Freie Presse, die umfangreich über Gustav Klimts künstlerisches Werk und die Ausstellung berichteten. Letztere schrieb am 27. Juni 1928 wie folgt:    

»Wer sich auch nur einigermaßen für bildende Kunst interessiert, wird diese Ausstellung besuchen müssen, schon darum, weil man in absehbarer Zeit, ja wohl überhaupt kaum mehr eine ähnliche wird zusammenstellen können […]«

International wurde über die Ausstellung hingegen kaum berichtet. Dies kommentierte Carl Moll im November 1928 in einem selbstverfassten Artikel, der in der Neuen Freien Presse veröffentlicht wurde, kritisch. Er verlieh seiner Enttäuschung gegenüber der deutschen Presse und der Kunstkreise Ausdruck, da es »seither in Deutschland üblich geworden ist, über Klimt achselzuckend hinwegzusehen […]«. Für Moll war die Gedächtnisausstellung indes ein Erlebnis, denn diese »brachte uns wieder zum Bewußtsein, was wir an Klimt besessen, was wir an ihm verloren haben, bewies uns, daß er, in seiner Art, bisher nicht übertroffen, nicht erreicht worden ist.«

Literatur und Quellen

  • Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession (Hg.): XCIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession. Klimt-Gedächtnis-Ausstellung, Ausst.-Kat., Secession (Wien), 27.06.1928–05.08.1928, Wien 1928.
  • Die Bühne. Wochenschrift für Theater, Film, Mode, Kunst, Gesellschaft, Sport, 5. Jg., Heft 193 (1928), S. 20-21.
  • Moderne Welt, 9. Jg., Heft 28 (1928), S. 14-16.
  • Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers, Jg. XX, Heft 14 (1928), S. 488.
  • Die Kunst für Alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, 44. Jg. (1928/29), S. 1-5.
  • Der Tag, 28.06.1928, S. 7.
  • Salzburger Volksblatt: unabh. Tageszeitung f. Stadt u. Land Salzburg, 12.07.1928, S. 5.
  • Neues Wiener Journal, 28.06.1928, S. 6.
  • Wiener Zeitung, 08.07.1928, S. 1-3.
  • Reichspost, 02.07.1928, S. 3.
  • Arbeiter-Zeitung, 04.07.1928, S. 3-4.
  • Arbeiter-Zeitung, 04.08.1928, S. 4.
  • Neue Freie Presse, 27.06.1928, S. 1-3.
  • Neue Freie Presse, 30.11.1928, S. 1-3.

Schau im Ausstellungshaus Friedrichstraße

Plakat der Gustav Klimt-Gedächtnisausstellung, 1943, Privatbesitz
© Klimt-Foundation, Wien

Im Frühjahr 1943, noch inmitten des Zweiten Weltkrieges, fand im Ausstellungshaus Friedrichstraße – ehemals Secession – eine große Klimt-Retrospektive statt. Die Ausstellung, die nachträglich zum 80. Geburtstag des Künstlers veranstaltet wurde, stand unter der Schirmherrschaft des Wiener Reichsstatthalters Baldur von Schirach.

Reichsstatthalter Baldur von Schirach beauftragte 1942 den Direktor der Österreichischen Galerie, Bruno Grimschitz, mit der Planung und Durchführung einer umfangreichen Klimt-Retrospektive. Neben der nationalsozialistischen Kultur- und Kriegspropaganda gab damals vermutlich auch Emil Pirchans kürzlich erschienene Klimt-Monografie einen wesentlichen Impuls für die avisierte Klimt-Schau. Die Ausstellung selbst sollte in der Wiener Secession – die zwischenzeitlich als Ausstellungshaus Friedrichstraße in Erscheinung trat – stattfinden.

Ausstellungsobjekte und »Leihgeber« 
Die mehrwöchige Ausstellung eröffnete 25 Jahre nach Klimts Tod am 7. Februar 1943 und umfasste mehr als 40 Gemälde und zahlreiche Zeichnungen des Jahrhundertkünstlers. Eine Vielzahl der ausgestellten Objekte waren Leihgaben von namhaften staatlichen Sammlungen, denen im Ausstellungskatalog auch explizit gedankt wurde. Daneben stellten auch Privatbesitzer, wie Sonja Knips und Klimts unehelicher Sohn und Filmregisseur Gustav Ucicky, einige Werke zur Verfügung.

Viele der im Katalog angeführten Gemälde aus Privatbesitz stammten jedoch aus enteignetem, versteigertem oder gepfändetem Besitz. So wurden im Rahmen der Ausstellung etliche Werke aus der Sammlung Lederer präsentiert, die behördlich sichergestellt worden war – darunter die zwei Fakultätsbilder Die Medizin (1900–1907, zerstört) und Die Jurisprudenz (1903–1907, zerstört). Zur Verschleierung dieser Umstände wurden zum Teil Werke umbenannt, um mögliche Besitzverhältnisse oder die Herkunft nicht offenzulegen. Im Speziellen betraf dies vor allem Klimts Porträts jüdischer Frauen, die im Ausstellungskatalog nur als »Damenbildnisse« angeführt waren.  

Ausstellungshaus Friedrichstraße, ehemals Secession, nach dem »Anschluss«
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Galerie

Einblicke in die Gedächtnisausstellung 1943

  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien
    © WStLA
  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien
    © WStLA
  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943
    © WStLA
  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien
    © WStLA
  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien
    © WStLA
  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943
    © WStLA
  • Julius Scherb: Einblick in die Gedächtnisausstellung 1943, Januar 1943 - Februar 1943, Künstlerhaus-Archiv, Wien
    © WStLA

Gustav Klimt: Birke am Attersee (Stilles Wasser), 1901, Verbleib unbekannt
© Klimt-Foundation, Wien

Fotoserie
Die Ausstellung wurde seinerzeit vom Fotografen Julius Scherb dokumentiert. Diese letzte visuelle Bestandsaufnahme ist heute insofern von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, da danach einige Klimt-Gemälde verloren gingen oder im weiteren Verlauf des Krieges zerstört wurden. Die Fotoserie, die sich heute im Archiv des Wiener Künstlerhauses befindet, umfasst insgesamt sieben fotografische Einblicke in die Ausstellungsräumlichkeiten. Die Fotografien veranschaulichen die erste Hängung der Werke Klimts in der Secession, was sich durch einen Abgleich mit den zwei Katalogfassungen bestätigen lässt. In diesem Zusammenhang sind aus dem Konvolut zwei Fotografien hervorzuheben. Diese zeigen zwei Ölgemälde Gustav Klimts, die in den bisher publizierten Werkverzeichnissen noch nicht berücksichtigt sind. Dabei handelt es sich um ein unbekanntes, kleinformatiges Damenporträt und das Gemälde Birke am Attersee (Stilles Wasser) (1901, Verbleib unbekannt). Letzteres wurde bereits 1902 in der »XIII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession« und 1928 in der »Klimt-Gedächtnis-Ausstellung« präsentiert. Jenes Gemälde befand sich zuletzt 1928 im Besitz von Klimts Nichte, Helene Donner.

Literatur und Quellen

  • Sophie Lillie: Die Gustav Klimt -Ausstellung von 1943, in: Peter Bogner, Richard Kurdiovsky, Johannes Stoll (Hg.): Das Wiener Künstlerhaus. Kunst und Institution, Wien 2015, S. 334-341.
  • Marion Krammer, Niko Wahl: Klimt Lost, Wien 2018.
  • Ursula Storch (Hg.): Klimt. Die Sammlung des Wien Museums, Ausst.-Kat., Wien Museum (Wien), 16.05.2012–07.10.2012, Wien 2012, S. 38-45.
  • Neues Wiener Tagblatt, 08.02.1943, S. 2-3.
  • Znaimer Tagblatt, 08.02.1943, S. 3.
  • Salzburger Zeitung, 14.02.1943, S. 5.
  • Reichsstatthalter in Wien (Hg.): Gustav Klimt. Ausstellung 7. Februar bis 7. März 1943. Ausstellungshaus Friedrichstrasse ehemalige Secession, Ausst.-Kat., Ausstellungshaus Friedrichstraße (Wien), 07.02.1943–14.03.1943, 1. Auflage, Wien 1943.
  • Reichsstatthalter in Wien (Hg.): Gustav Klimt. Ausstellung 7. Februar bis 7. März 1943. Ausstellungshaus Friedrichstrasse ehemalige Secession, Ausst.-Kat., Ausstellungshaus Friedrichstraße (Wien), 07.02.1943–14.03.1943, 2. Auflage, Wien 1943.
  • Laura Morowitz: "Heil the Hero Klimt!". Nazi Aesthetics in Vienna and the 1943 Gustav Klimt Retrospective, in: Oxford Art Journal, Jg. 39, Nummer 1 (2016), S. 107-129.

Klimt-Sammler:innen – von den Nationalsozialisten verfolgt

Martin Gerlach jun.: Einblick in die Wohnung Serena und August Lederer, 1920er - 1930er, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Gartenweg mit Hühnern, um 1939, Bundesdenkmalamt
© BDA, Wien

Es ist nicht zuletzt dem Thema Restitution zuzuschreiben, dass jene Kunstsammler, die von den Nationalsozialisten verfolgt worden waren, heute in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich präsenter sind als andere Sammler. Jedoch befanden sich unter Klimts Sammlern und Sammlerinnen tatsächlich viele, die jüdischer Herkunft waren.

Ganz unabhängig davon, welche Bedeutung jemand der Religion beimaß, waren Personen jüdischer Herkunft in Wien um 1900 in gewisser Weise stets antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Diese kulminierten ab 1938 in vermögensrechtlichen und persönlichen Verfolgungen bis hin zu Deportation und Ermordung. Neben Geld und einem persönlichen Netzwerk brauchte es vor allem auch Glück, um nach dem »Anschluss« Österreich verlassen zu können, um in Sicherheit in einem anderen Land weiterleben zu können. Die es schafften, blieben meist in ihren ursprünglich als temporäres Exil gedachten Ländern außerhalb Kontinentaleuropas. Nur wenige kehrten nach 1945 wieder dauerhaft nach Österreich zurück.

Gretl Gallia, Tochter von Hermine Gallia konnte mit ihrer Familie nach Australien emigrieren. Es gelang ihnen, ihre gesamte Sammlung mit Porträt Hermine Gallia (1903/04, National Gallery, London) in ihre neue Heimat mitzunehmen. 1976 kam es in London in den Verkauf. Die Stationen des Bildes wurden durch Hermina Gallias Urenkel Tim Bonyhady bekannt gemacht, der 2011 die Geschichte der Familie Gallia in seinem Buch Good Living Street beschrieb.

Gertrude Felsövanyi, die als junge Frau 1902 von Gustav Klimt im Porträt Gertrud Loew (1902, The Lewis Collection) dargestellt worden war, musste 1939 Österreich verlassen. Über mehrere Umwege gelangte sie mit ihrem Sohn in die USA. Sie lebte bis zu ihrem Tod in Kalifornien. Ihr Porträt  musste sie zusammen mit sechs Zeichnungen von Klimt zurücklassen. Felsövanyi sollte Österreich nie wieder besuchen.

Die umfangreiche Kunstsammlung der Familie Lederer wurde 1938 sichergestellt. Als der Reichsstatthalter von Wien 1943 eine große Klimt-Ausstellung ausrichtete, griff er auf die bereits von den Behörden sichergestellt Kunstsammlung zurück und stellte die Hauptwerke aus der Sammlung Lederer aus, ohne Einverständnis der Eigentümerin. Zu diesem Zeitpunkt war Serena Lederer bereits nach Budapest geflüchtet, wo sie im selben Jahr verstarb. Ihre Tochter Elisabeth Bachofen-Echt starb in Wien 1944. Ihr Sohn Erich konnte in die Schweiz emigrieren, wo er bis zu seinem Tod lebte. Nach Kriegsende erhielt er jene sichergestellten Klimt-Zeichnungen zurück, die in Altaussee eingelagert gewesen waren. Die Ölgemälde Gustav Klimts jedoch waren in Folge von Kriegseinwirkungen auf Schloss Immendorf (NÖ) verbrannt.

Von der Familie Zuckerkandl konnten sich nur Berta Zuckerkandl und ihr Sohn Fritz ins Ausland retten. Ihr Enkel Emile hatte zuvor bereits in Frankreich gelebt. Mirijam Amalie Zuckerkandl und ihre Tochter Nora Stiasny wurden im Oktober 1942 im Vernichtungslager Belzec ermordet. Noras Ehemann Paul Stiasny und ihr gemeinsamer Sohn Otto wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Schloss Immendorf

Schloss Immendorf
© Klimt-Foundation, Wien

Freundinnen II, um 1939, Bundesdenkmalamt
© BDA, Wien

Im Mai 1945 ereignete sich einer der gravierendsten Verluste an Kulturgütern in Österreich. Als eine Folge des Zweiten Weltkrieges verbrannten auf Schloss Immendorf in Niederösterreich zumindest zehn Gemälde und zwei Kompositionsentwürfe Gustav Klimts, darunter Hauptwerke wie die drei Fakultätsbilder. Auch weitere Kunstgegenstände fielen dem Brand zum Opfer.

Die Ereignisse des 8. Mai 1945
Ab 1943 fand die Bergung gefährdeter Kulturgüter vor etwaigen Luftangriffen während des Zweiten Weltkrieges neben Destinationen wie Schloss Weinern und dem Salzbergwerk Altaussee im niederösterreichischen Schloss Immendorf, nördlich von Hollabrunn gelegen, statt. Neben diversen anderen von den Nazis enteigneten Sammlungen wurde auf dem Anwesen in Besitz der Familie Freudenthal auch die Sammlung Lederer gelagert. Darüber hinaus wurden hier auch Objekte der Sammlung des MAK – Museum für angewandte Kunst und der Österreichischen Galerie Belvedere zur Bergung verbracht.

Hitlers sogenannter »Nerobefehl« vom 19. März 1945 wurde in Immendorf von abziehenden SS-Einheiten trotz der bedingungslosen Kapitulation Folge geleistet. Es begann ein sinnloses Zerstörungswerk, dem nicht nur strategisch wichtige Ziele wie Straßen und Brücken, sondern auch Denkmäler und Kunstwerke zum Opfer fielen.

Über den Verlauf des für die österreichische Kultur katastrophalen Ereignisses, bei dem das Schloss tagelang brannte und die Vernichtung der dort geborgenen Gemälde mit sich brachte, gibt es zwei Berichte: Baronin Adelheid von Freudenthal erörterte in einem Schreiben vom 7. August 1945 die endgültige Vernichtung der gelagerten Kulturgüter durch eine Deutsche SS-Einheit. Die Schlossbesitzer hatten den Ort vor dem 20. April 1945 verlassen. Der spätere Bericht der Gendarmerie Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn vom 20. Mai 1946 erwähnte die deutsche SS-Einheit »Feldherrenhalle«, die am 7. Mai 1945 Orgien im Schloss gefeiert hätte. Nach deren Abzug und kurz nach Eintreffen der Roten Armee zerstörte ein von den Nazis absichtlich gelegter und über eine längere Zeitspanne wütender Brand das gesamte Gebäude. Er ging vom Turm aus und führte aufgrund von gelagerter Sprengmunition zu mehreren Explosionen. Beschreibungen und Dokumentationen dieser Ereignisse von unmittelbaren Augenzeugen sind nicht bekannt. Vermutungen wonach vor dem Brand Plünderungen stattgefunden hätten, wurden immer wieder geäußert. Ob und welche Objekte dabei entwendet worden sind, konnte bislang nicht konkretisiert werden.

Die Bergung
Vermutlich am 3. April 1943 kamen folgende Gemälde von Klimt in Immendorf an: Bauerngarten mit Kruzifix (1912), Die Freundinnen II (1916/17), Bildnis Wally (1916), Gartenweg mit Hühnern (1916), Der Goldene Apfelbaum (1903), Die Jurisprudenz (1903–1907), Die Philosophie (1900-1907), Leda (1917), Die Musik (1897/98) und Schubert am Klavier (1899). Darüber hinaus wurden auch die Kompositionsentwürfe Die Philosophie (1898) und Die Jurisprudenz (1897/98) nach Immendorf verbracht. Diese befanden sich jedoch nicht – im Gegensatz zu genannten Gemälden – auf der von 3. März 1945 datierten Bergungsliste. All diese Werke gelten als im Zuge des Brandes auf Schloss Immendorf vernichtet. Zudem waren auch Werke von Egon Schiele, wie sein Gemälde Mödling I (Graue Stadt) (1916) und ein aquarelliertes Selbstporträt (1910) sowie Skizzen für die Decke des Burgtheaters von Ernst Klimt, Hanswurst (1886/87) und Molièretheater (1886/87) zerstört worden. All diese Objekte stammten ursprünglich aus der Sammlung Lederer, der umfangreichsten Klimt-Kollektion in Privatbesitz. Das Fakultätsbild Die Medizin (1900–1907) war im Jahr 1919 mit Hilfe von Serena Lederer durch die Österreichischen Galerie Belvedere von Ditha Moser angekauft worden. Die Nazis verbrachten es ebenfalls an den Bergungsort Schloss Immendorf, wo es wie die beiden anderen Fakultätsbilder verbrannte.

Galerie

Klimt-Gemälde von der Bergungsliste

  • Gustav Klimt: Bauerngarten mit Kruzifix, 1912, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Freundinnen II, 1916/17, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt, in: Max Eisler (Hg.): Gustav Klimt. Eine Nachlese, Wien 1931.
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Bildnis Wally, 1916, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Gartenweg mit Hühnern, 1916, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Der goldene Apfelbaum, 1903, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Die Jurisprudenz, 1907, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt, in: Kunstverlag Hugo Heller (Hg.): Das Werk von Gustav Klimt, Wien - Leipzig 1918.
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Die Philosophie, 1907, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt, in: Kunstverlag Hugo Heller (Hg.): Das Werk von Gustav Klimt, Wien - Leipzig 1918.
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Leda, 1917, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Die Musik, 1897/98, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Schubert am Klavier, 1899, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Klimt-Foundation, Wien
  • Gustav Klimt: Die Philosophie (Entwurf), 1898, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Galerie Welz
  • Gustav Klimt: Die Jurisprudenz (Entwurf), 1897/98, 1945 in Schloss Immendorf verbrannt
    © Galerie Welz

Martin Gerlach jun.: Einblick in die Wohnung Serena und August Lederer, 1920er - 1930er, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Graphiksammlung
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Weitere Objekte Klimts aus der Sammlung Lederer, deren Bergung und Einlagerung auf Schloss Immendorf nicht gesichert ist und die seit 1945 als verschollen gelten, sind: Aus dem Reich des Todes (Zug der Toten) (1903), Malcesine am Gardasee (1913), Porträt Charlotte Pulitzer (1917) und Gastein (1917).

Die Sammlung der Familie Lederer
August und Serena Lederer, ihre Kinder Elisabeth (verh. Bachofen-Echt), Erich und Fritz waren bereits zu Lebzeiten die bedeutendsten Klimt Sammler, die zudem ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Künstler pflegten. Nach dem Tod von August Lederer 1936 verblieb die Sammlung im Besitz von Serena und ihren Kindern und bis 1937 in ihrer Wohnung in der Bartensteingasse 8 (Wien-Innere Stadt). Nach dem »Anschluss« Österreichs an Nazideutschland kam es im März 1938 zur Plünderung der Wohnung durch die Gestapo, wobei eine Menge an Klimt-Zeichnungen konfisziert wurde. Im März 1939 wurde die Sammlung endgültig durch die Nazis geraubt und die Wohnung versiegelt.

Die letzte öffentliche Präsentation
Im Jänner 1943 wurden die Klimt Werke aus der Bartensteingasse in die Secession gebracht, wo sie von 7. Februar bis 14. März präsentiert wurden. Der Reichsstatthalter von Wien, Baldur von Schirach, veranstaltete im Ausstellungshaus Friedrichstraße (vormals: Secession) zum 80. Geburtstag des Künstlers im Jahr 1942 die sogenannte »Gedächtnisausstellung«. Der Katalog dokumentierte mit 96 Positionen wesentliche Hauptwerke, wie Der Beethovenfries, die Fakultätsbilder sowie die Entwürfe für Der Stocletfries. Insgesamt wurden 50 Gemälde und 45 Zeichnungen ausgestellt. Die vorzeitige Beendigung der Schau – vermutlich aufgrund drohender Bombardements – und die Verbringung in den vermeintlichen Bergungsort Schloss Immendorf bedeutete schließlich einen immensen Kulturgüterverlust für Österreich.

Literatur und Quellen

  • Andreas Lehne: Die Katastrophe von Immendorf. Nach dem Archivmaterial vom Bundesdenkmalamt, in: Stephan Koja (Hg.): Zeitschrift für bildende Kunst. Sonderband Gustav Klimt, Wien 2007, S. 54-63.
  • Peter Weinhäupl: Under Construction: The Faculty Paintings. Klimts´s Pugnacious Modernism, its Unwanted Recognition and Downfall, in: The Unknown Klimt - Love, Death, Ecstasy, Ausst.-Kat., Muzej Grada Rijeke (Rijeka), 20.04.2021–20.10.2021, Rijeka 2021, S. 195-201.
  • Pia Schölnberger, Sabine Loitfellner (Hg.): Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus, Mythen – Hintergründe – Auswirkungen, Wien - Köln - Weimar 2016.
  • Leonhard Weidinger: Schloss Immendorf. www.lexikon-provenienzforschung.org/immendorf-schloss (29.08.2022).