Auftragsporträts
Anton Trčka: Gustav Klimt, 1914, Privatbesitz
© Courtesy Galerie Johannes Faber, Wien
Neuigkeits-Welt-Blatt, 28.07.1914.
© ANNO | Österreichische Nationalbibliothek
Gustav Klimt: Porträt Elisabeth Lederer, 1914-1916, Privatbesitz
© Klimt-Foundation, Wien
Ab Sommer 1914 schmälerte der Erste Weltkrieg und die damit verbundene Geldentwertung Klimts Einkommen deutlich. Vermutlich wandte er sich deshalb verstärkt Porträtaufträgen zu. Stilistisch sind diese geprägt durch bunte, knallige Farben, moderne Gewänder sowie asiatische Motive.
Gustav Klimt erfuhr von der Kriegserklärung Österreich-Ungarns am 28. Juli 1914 während seiner Sommerfrische am Attersee. In den folgenden Jahren gestaltete es sich sogar für den international berühmten Künstler immer schwieriger mit seinem Schaffen ausreichend Geld für sich und seine Familie zu verdienen. Aus diesem Grund wandte er sich verstärkt lukrativen Porträtaufträgen zu. Ein Brief an Serena Lederer, in dem er um einen Vorschuss für das Porträt ihrer Mutter Charlotte Pulitzer bat, zeigt die finanzielle Notlage:
»Das Bild wird Dienstag oder Mittwoch fertig – der ›schäbige Rest‹ des Honorar's wird dann fällig – ich warte darauf wie der Teufel – auf eine arme Seel‘! Um es gleich wieder zu verpulfern [!] [Anm.: auszugeben] [...] Es ist schäbig! – mit der Kriegsnot ist‘s ein schlechter Trost! [...] Ich muß sonst meinen ganz kleinen ›Goldgeldschatz‹ angreifen – welcher für die allergrösste [!] Not aufbewart [!] ist.«
Klimts späte Auftragsporträts können in zwei Gruppen unterteilt werden. Einerseits malte er zumeist stehende Damen, in bunte Stoffe der Wiener Werkstätte oder exotische Gewänder gehüllt. Der Hintergrund wird hier von vorwiegend asiatischen Bildmotiven beherrscht, die sich Klimt von Vasen und Skulpturen in seinem Besitz oder aus der Literatur lieh.
Andererseits schuf Klimt Darstellungen von sitzenden Frauen, die von großen, zumeist einheitlichen Farbflächen dominiert werden. Raumnegierende, monochrome, grüne Hintergründe sind hier an der Tagesordnung.
In den beiden Porträts Adele Bloch-Bauer II (1912, Privatbesitz) und Eugenia (Mäda) Primavesi (1913/14, Toyota Municipal Museum of Art) bereitete Klimt bereits in den Vorjahren den Typus seiner späten Damenbildnisse vor. Von 1915 bis 1918 entstehen zwei Auftragswerke, die beherrscht sind von asiatischen Wesen und Figuren sowie einem wilden Musterteppich an leuchtenden Farben.
Serena Lederer
1914 erhielt Klimt vom befreundeten Ehepaar August und Serena Lederer, die zu seinen wichtigsten Mäzenen und Sammlern gehörten, den Auftrag, ein Gemälde ihrer Tochter zu malen. Über zwei Jahre arbeitete Klimt an dem Porträt Elisabeth Lederer (1914–1916, Privatbesitz). Das Verhältnis zwischen dem Maler und der knapp über 20-Jährigen – die Klimt seit ihrer Kindheit kannte – war so eng, dass Elisabeth Klimt »Onkel« nannte.
Das Gemälde entspricht dem bereits besprochenen asiatisierenden Typus. Elisabeth Lederer ist der zentrale Bildinhalt. Stehend dominiert sie bildfüllend das schmale Hochformat. Wie bereits in Adele Bloch Bauer II trennt eine horizontale Linie den knalligen, kontrastfarbenen Boden vom Hintergrund und verortet die Darstellung so im Raum. Klimt benutzt dekorative Elemente, um die Komposition in geometrische Figuren zu gliedern. Während das Muster des Bodens die Dargestellte in ein Rechteck stellt, schreibt sie der Ornamentteppich im Hintergrund in eine Dreiecksform ein. Ein solches Vorgehen war bereits im Porträt Eugenia (Mäda) Primavesi zu beobachten, in dem Klimt die Dargestellte mit Hilfe eines vom Stocletfries (1905–1911, Privatbesitz) inspirierten Rosenbusches in ein Oval einfasst. Die asiatischen Figurengruppen im Hintergrund rahmen die obere Partie des Dreiecks, halten jedoch noch geordnet Abstand und betonen so das Gesicht der Porträtierten durch den entstandenen Leerraum. Dieser geordnete Rhythmus von flächigem Farbgrund und asiatischen Figurengruppen sollte sich bald zu einem regelrechten Figurengedränge entwickeln.
Das weiße Kleid mit dem nach unten verjüngenden Rock sowie einer durchsichtigen Chiffonstola erinnert, trotzdem es sich um ein modernes Gewand handelt, an das 1899 entstandene Porträt der ebenfalls in pures Weiß gehüllten Mutter. Auch die schwarzen Haare, dunklen Augen und Augenbrauen, die sich stark vom blassen Teint abheben, weisen die Dargestellte eindeutig als Tochter von Serena Lederer aus. Ein Umstand, dem der niemals zufriedene Klimt anscheinend nicht zustimmte. Als er das Porträt vollendet in der Wohnung Lederer sah konstatierte er: »Jetzt ist sie‘s erst recht nicht!« Elisabeth Lederer erinnerte sich an den langen Malprozess, der durch zahlreiche Umarbeitungen geprägt war:
»Monate vergingen mit der Anfertigung von Zeichnungen in verschiedenen Stellungen. Onkel [Anm.: Klimt] schimpfte und fluchte, dass es nur so ein Vergnügen war, ihm zuzuhören. Wiederholt warf er den Bleistift weg und äußerte sich dahin, dass man überhaupt niemals Leute malen soll, die zu nahe stehen. Dann kam Mama und es entbrannte ein Streit über Stellung, Toilette etc. Manchmal nahmen die Differenzen ganz ernste Formen an und er schrie in seinem tiefen, herrlichen Bass: ›Ich mal mir mein Mädel, wie sie mir gefällt und damit Schluss‹.«
Gustav Klimt: Porträt Friederike Maria Beer, 1916, Tel Aviv Museum of Art, The Mizne-Blumental Collection
© Tel Aviv Museum of Art, Tel Aviv, Foto: Elad Sarig
Friederike Maria Beer
Hatte sich Klimt beim Porträt Elisabeth Lederer noch einer Formensprache bedient, die er bereits in den Vorjahren entwickelt hatte, so verschmolz er nun seine bereits erprobten Bildelemente zu einer neuen Darstellungsweise, die vom Rhythmus der Farbe und der Auflösung der Körperlichkeit im Ornament beherrscht wurde.
Das Porträt Friederike Maria Beer (1916, Museum of Art, Tel Aviv, Mizne-Blumenthal Collection) war vom Maler Hans Böhler – einem Freund Gustav Klimts – in Auftrag gegeben worden. Dieser war mit der wohlhabenden Tochter der Besitzerin der Kaiserbar (Krugerstraße 3, 1010 Wien) romantisch liiert. Die vergleichsweise kurze Entstehungszeit von nur knapp vier Monaten zwischen November 1915 und Februar 1916 könnte einerseits darauf zurückgehen, dass Klimt die Anlage des Gemäldes bereits am Porträt Elisabeth Lederer erprobt hatte. Andererseits dürften sowohl der Auftraggeber als auch das Modell von Klimts Unwillen zur Fertigstellung von Gemälden gewusst und ihm dieses einfach entzogen haben.
Klimt entschied sich, Friederike Maria Beer in einem Seidenkleid aus Stoff der Wiener Werkstätte abzubilden. Der Entwurf für das bunte Muster nannte sich Marina und war von Dagobert Peche entworfen worden. Ursprünglich trug die Porträtierte darüber eine vermutlich einfarbige Pelzjacke. Es ist überliefert, dass Klimt sich aber gegen dieses monochrome, bildberuhigende Element entschloss. Durch das Wenden der Jacke wurde der bunt gemusterte Futterstoff von Leo Blonder sichtbar. Wo sich das Fräulein Lederer in ihrem weißen Kleid noch stark vom Rest der Komposition abhob, scheint es nun unmöglich, Frau Beers Silhouette in ihrer bunt gemusterten Toilette klar zu erfassen.
Zusätzlich dazu modifiziert Klimt auch die Darstellung des Hintergrundes. Während auf diesem bisher Einzelfiguren eine einfarbige Farbfläche bewohnten, vergrößerte Klimt nun die asiatischen Randfiguren und verarbeitete sie so zu einem großen Teppich an Muster und Ornament. Gleich einer Kreuzigung mit Gedränge verschwimmen die individuellen Gestalten zu einer ornamentalen Masse an rhythmischer Abfolge von Farbe und Form. Das einem Patchwork-Teppich gleichende Werk scheint jede Erfassung von Körperlichkeit und Umrisslinien sofort negieren zu wollen. Kaum denkt man eine Form verstanden zu haben, fangen die Farben an zu flirren und die Körper lösen sich in einzelne Farbflächen auf.
Der Kopf der Porträtierten hebt sich zwar durch die schwarzen Haare von der bunten Ornamentmasse ab, dessen Verortung ist jedoch nur ambivalent möglich. Wie durch ein Kaleidoskop gesehen, schwimmt er einmal in den Vordergrund und befindet sich auf den Schultern des Körpers, einmal rückt er in den Hintergrund und reiht sich in die asiatischen Köpfe ein, die einen Kreis um die Dargestellte bilden. Fast wie ein Mandala greifen die Formen des Hintergrundes, die asiatischen Figuren und Friederike Maria Beer überschneidend ineinander über. Alleine der türkise Boden verankert die Darstellung im Raum und schafft es den Betrachterblick zu fokussieren.
Klimts Stilentwicklung zeigt sich also deutlich in einer zunehmenden vollflächigen Ornamentalisierung seiner Gemälde und einer zunehmenden Abstraktion der Komposition zugunsten aneinandergereihter Farbflächen.
Gustav Klimt: Porträt Charlotte Pulitzer, 1917, Verbleib unbekannt, seit Kriegsende 1945 verschollen
© Klimt-Foundation, Wien
Gustav Klimt: Porträt Barbara Flöge, 1917/18, Privatbesitz
© Galerie Welz
Ältere Damen und monochrome Hintergründe
Der andere Porträttypus, welchen Klimt in seinen späten Jahren vermehrt nützen sollte, scheint der Darstellung älterer Damen vorbehalten zu sein. 1917 bis 1918 entstanden zwei Gemälde von älteren sitzenden Damen vor monochromem Hintergrund. Während das Porträt Charlotte Pulitzer (1917, Verbleib unbekannt, seit Kriegsende 1945 verschollen) – der Mutter von Serena und Großmutter von Elisabeth Lederer – bestimmt als bezahltes Auftragswerk entstand, könnte das zeitgleich begonnene Porträt Barbara Flöge (1917/18. Privatbesitz) eventuell ein Geschenk an die Familie Flöge gewesen sein. Barbara Flöge, von Klimt auch liebevoll »Mutter« genannt, war die leibliche Mutter seiner Schwägerin Helene und deren Schwestern Emilie und Pauline Flöge.
Beide Frauenporträts sind in Frontalansicht und sitzend wiedergegeben. Die Gewänder der Dargestellten lassen die bunte Musterung der jüngeren Damen vermissen. Vielmehr handelt es sich um traditionelle, schwarz-braune, lange Kleider, Pelzkrägen und helle Blusen. Der Hintergrund bleibt unbelebt, fleckig monochrom. Im Falle von Barbara Flöge erblickt man ein von Klimt in dieser Zeit öfter verwendetes Grün, das man auch bei Baby (1917/18 (unvollendet), National Gallery of Art, Washington D.C.) und dem überarbeiteten Werk Bildnis einer Frau (Backfisch) (1910, überarbeitet: vor 1916/17, Galleria d'arte moderna Ricci Oddi, Piacenza) finden kann. Das nur in einer Schwarz-Weiß-Reproduktion erhaltene Porträt Charlotte Pulitzer soll laut ihrem Enkel Erich Lederer einen ebensolchen bläulich-grünen Hintergrund gehabt haben. Die Dargestellten werden im sonst eindimensionalen Raum durch einen Sessel verortet. Hände und Gesichter sind, wie für Klimt üblich, naturalistisch formuliert. Die traditionellere, beruhigtere Wiedergabe der Dargestellten scheint logisch ob der Tatsache, dass Klimt stets bemüht war das Wesen seiner Modelle einfühlsam in seinen Kompositionen festzuhalten.
Dass sein Fokus hierbei vor allem auf der Wiedergabe des Gesichtes und der vom Leben gezeichneten Mimik lag, wird deutlich durch die nachweisbaren Veränderungen, die er am Gemälde von Barbara Flöge vornahm. Am 10. August 1917 schrieb er noch an Emilie Flöge über die Genese des Werkes:
»Das Bild der Mutter werde ich müssen mitgeben wie es ist – oder gar nicht – es läßt sich so nichts machen.«
Das Porträt wurde folglich in unvollendetem Zustand auf der Kunstaustellung in Stockholm präsentiert. Ein Vergleich von Fotografien der Ausstellung mit dem vollendeten Werk zeigt, dass die wesentlichen Veränderungen vor allem im Gesicht, den Augen und den Lippen der Dargestellten vorgenommen wurden. Auch das Porträt Charlotte Pulitzer fokussiert sich stark auf die Gesichtspartie. Durch die gedämpften Farben des Hintergrundes und des Körpers, ist es vor allem das charaktervolle Gesicht, das den Betrachter in seinen Bann zieht.
Einblick in die Österreichische Kunstausstellung in Stockholm, September 1917, Archive of Liljevalchs konsthall in The Stockholm City Archive, Sweden
© Archive of Liljevalchs konsthall in The Stockholm City Archive, Sweden
Gustav Klimt: Porträt Fräulein Lieser, 1917, Privatbesitz
© Auktionshaus im Kinsky GmbH, Wien
Gustav Klimt: Porträt Johanna Staude, 1917/18, Österreichische Galerie Belvedere
© Belvedere, Wien
Gustav Klimt: Porträt Amalie Zuckerkandl, 1917/18, Österreichische Galerie Belvedere, 1988 Widmung Vita und Gustav Künstler
© Belvedere, Wien , Foto: Johannes Stoll
Unvollendete Aufträge
Am Ende von Klimts Lebenszeit steht eine Reihe von Werken, die der Meister durch seinen unvorhergesehenen Tod nicht mehr fertigstellen konnte. So blieben auch zahlreiche Porträtaufträge unvollendet zurück. Diese sind im Spätwerk stilistisch schwer einzuordnen.
Während die meisten davon dem Typus der Frauenbilder mit monochromem Hintergrund zu entsprechen scheinen, ist es dennoch nicht auszuschließen, dass Klimt noch plante, sie mit asiatischen Figuren zu füllen. Zumal diverse Untersuchungen zeigen, dass der Künstler seine Hintergründe zumeist ohne Vorstudien direkt auf der Leinwand entwickelte.
Das durch das Wiener Auktionshaus im Kinsky wiederentdeckte, im Jänner 2024 der Öffentlichkeit präsentierte und im April 2024 versteigerte Gemälde Porträt Fräulein Lieser (1917/18 (unvollendet), Privatbesitz), sowie das Porträt Johanna Staude (1917/18 (unvollendet), Belvedere, Wien) zeigen ausformulierte Gesichter und stark gemusterte, ornamentale Gewänder, wie sie bereits von den Gemälden von Elisabeth Lederer und Friederike Maria Beer bekannt sind. Besonders im Fall der Johanna Staude scheinen die bunte Wiener-Werkstätte-Bluse mit einem Muster von Martha Alber sowie der grellorange Hintergrund darauf hinzudeuten, dass Klimt hier eventuell noch geplant hatte, Asiatika einzufügen.
Beauftragt wurde das Gemälde Porträt Fräulein Lieser von einem Mitglied der jüdischen Industriellenfamilie Lieser. Nicht vollständig gesichert ist, ob es sich bei der in offenbar neun Sitzungen Porträtierten um Helene oder Annie Lieser, eine der beiden Töchter der Kunstmäzenin Henriette "Lilly" Lieser, oder um ihre Nichte Margarethe Constance Lieser, Tochter von Adolf Lieser, handelt. Neueste Erkenntnisse sprechen für Helene Lieser, Österreichs erste Staatswissenschaftlerin, die an der Universität Wien promoviert hatte. Lilly Lieser wiederum, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde, war eine der wichtigsten Mäzeninnen im Wien um 1900. Zweimal erhielt Klimt für diese Arbeiten insgesamt 10.000 Kronen (ca. 8.117 Euro) von der Auftraggeberin, womit vermutlich nur die Vorarbeit abgegolten war. Nach dem Tod des Meisters ging das unvollendete Werk in familiären Besitz (Henriette "Lilly" oder Adolf Lieser) über. Neben der eigentlich Dargestellten gibt das Gemälde noch weitere Rätsel auf, denn die Provenienz gilt als lückenhaft, speziell in der Zeit zwischen 1925 und den 1960er-Jahren und somit während der Naziherrschaft.
Ebenso mit Fragen behaftet, ist die Auftragslage in Bezug auf das Porträt Johanna Staude. Sie arbeitete 1917 als Sprachlehrerin und führte später Peter Altenbergs Haushalt, war also keine wohlhabende Dame der Gesellschaft. Ein Brief an Anton Hanak von 1930 gibt Aufschluss über ihre Beziehung zu Klimt. Darin bezeichnet sie den verstorbenen Maler als ihren »herrlichen Freund, Versteher und Erzieher«. Eventuell handelte es sich bei dem Werk also nicht um einen klassischen Auftrag, sondern um ein persönliches Geschenk.
Ein weiteres stilistisches Rätsel bildet das weitgehend unvollendete Porträt Amalie Zuckerkandl (1917/18 (unvollendet), Belvedere, Wien), welches als Auftragswerk für die befreundete Sammler- und Mäzenenfamilie entstand. Das bis auf den Hintergrund und den naturalistischen Kopf nur als Unterskizze angelegte Werk ist noch schwerer im Schaffen Klimts zu verorten als die weitgehend fertiggestellten Gemälde für Staude und Lieser. Erhaltenen Vorstudien dokumentieren zwar, dass Klimt bereits in den Jahren 1913/14 an dem Gemälde gearbeitet hatte, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte jedoch dessen Ausführung. Amalie Zuckerkandl arbeitete nämlich 1915/16 im Spital ihres Ehemanns Otto in Lemberg als Krankenschwester. Die Vorzeichnung und der erste Farbauftrag auf Leinwand muss jedoch spätestens Ende 1917 großteils abgeschlossen gewesen sein, da Klimt im November und Dezember insgesamt 4.000 Kronen (3.247 Euro) dafür überwiesen bekam.
Der blau-grüne Hintergrund erinnert zwar an den Typus der Porträts um Barbara Flöge und Charlotte Pulitzer, die ausgesparten Flecken könnten jedoch auf geplante Köpfe von asiatischen Hintergrundfiguren hindeuten. Erste Farbproben am Kleid lassen ein Blumenmuster der Stola, ähnlich dem im Porträt Fräulein Lieser erahnen.
Ein weiteres Werk aus dem familiären Umfeld Klimts ist das Porträt Pauline Flöge auf dem Totenbett (1917, vermutlich 1945 verbrannt). Die Schwester von Emilie Flöge war am 3. Juli 1917 verstorben. Laut Aussage ihrer Nichte Helene Donner fertigte Klimt das Gemälde in nur wenigen Stunden für die hinterbliebene Familie an. Über Farbe, Komposition und Bildaufbau des vermutlich 1945 verbrannten Werkes ist leider nichts Näheres bekannt.
Literatur und Quellen
- Alessandra Comini: Gustav Klimt, New York 1975.
- Tobias G. Natter (Hg.): Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Wien 2012.
- Alice Strobl (Hg.): Gustav Klimt. Die Zeichnungen, Band III, 1912–1918, Salzburg 1984.
- Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München - Berlin - London - New York 2007.
- Toni Stoos, Christoph Doswald (Hg.): Gustav Klimt, Ausst.-Kat., Kunsthaus Zürich (Zürich), 11.09.1992–13.12.1992, Stuttgart 1992.
- Fritz Novotny, Johannes Dobai (Hg.): Gustav Klimt, Salzburg 1975.
- Christian M. Nebehay (Hg.): Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969.
- Tobias Natter: Bildnis Baronin Elisabeth Bachofen-Echt, in: Tobias G. Natter, Gerbert Frodl (Hg.): Klimt und die Frauen, Ausst.-Kat., Oberes Belvedere (Wien), 20.09.2000–07.01.2001, Köln 2000, S. 133-134.
- Hansjörg Krug: Gustav Klimt’s Last Notebook, in: Renée Price (Hg.): Gustav Klimt. The Ronald S. Lauder and Serge Sabarsky Collections, Ausst.-Kat., Neue Galerie New York (New York), 18.10.2007–30.06.2008, München 2007, S. 213-231.
- Emily Braun: Empire of Ornament. Klimt’s Portrait of Elisabeth Lederer, in: Tobias G. Natter (Hg.): Klimt and the Women of Vienna's Golden Age. 1900–1918, Ausst.-Kat., Neue Galerie New York (New York), 22.09.2016–16.01.2017, London - New York 2016, S. 56-79.
- Max Eisler: Gustav Klimt, Wien 1920.
- Edith Krebs: Bildnis Johanna Staude, in: Toni Stoos, Christoph Doswald (Hg.): Gustav Klimt, Ausst.-Kat., Kunsthaus Zürich (Zürich), 11.09.1992–13.12.1992, Stuttgart 1992.
- im Kinsky GmbH (Hg.): The Gustav Klimt Sale 24.04.2024, Aukt.-Kat., Wien 2024.
- Auktionsrekord für Österreich. Klimts "Fräulein Lieser" um 30 Millionen Euro versteigert (24.04.2024). www.derstandard.at/story/3000000217377/klimts-fraeulein-lieser-um-30-millionen-euro-versteigert (26.04.2024).
- Irene Suchy: Lilly Lieser. Die verleumdete Mäzenin (23.04.2024). topos.orf.at/lilly-lieser100 (26.04.2024).
- Olga Kronsteiner: Offene Fragen zu Gustav Klimts "Bildnis Fräulein Lieser (13.04.2024). www.derstandard.at/story/3000000215644/die-vielen-r228tsel-um-fr228ulein-lieser (26.04.2024).